"Gentechnik-frei erzeugt"-Kennzeichnung ist erfolgreich

27. Juni 2000, 14:31

Bereits rund 150 Produkte mit dem Signet im Handel

Wien - Seit rund zwei Jahren gibt es die österreichische Arbeitsgemeinschaft für Gentechnik-frei erzeugt Lebensmittel. Sie vergibt auch grüne Signets für Produkte, die sozusagen garantiert frei von Grundstoffen bzw. sonstigen Beimengungen aus der Gentechnik sind. Mittlerweile sind in Österreich schon mehr als 150 solcher Waren auf dem Markt. Vertrieben werden sie sowohl über die großen Supermarktketten als auch über sonstige Geschäfte. Das erklärten am Dienstag Proponenten der ARGE bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Damit steht den österreichischen Konsumenten und Konsumentinnen eine breite Palette zur Verfügung. Seit 23. August 1999 ist weiters in der EU-Bio-Verordnung die Gentechnik-Freiheit für Bio-Produkte vorgeschrieben. Alle Gentechnik-frei erzeugten Produkte unterliegen einer strengen Kontrolle", erklärte Markus Schörpf, Obmann der Vereinigung.

Auch die im Zuge der Konzentrationswelle im Lebensmittelhandel in Österreich nunmehr ziemlich marktbeherrschend agierenden Giganten wie Spar (Spar Natur pur) und ADEG (Bio+) haben eigene Produktlinien mit dem grünen "Pickerl" in ihrem Sortiment. Ohne dieses zu besitzen ist auch die Billa-Marke "Ja!Natürlich" Gentechnik-frei, wie bei der Pressekonferenz mitgeteilt wurde.

Die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft kostet beispielsweise 1.000 Schilling für Betriebe mit bis zu drei Mitarbeitern und 30.000 Schilling für Firmen über 50 Mitarbeitern. Damit kommen die "Großen" pro Beschäftigten auf jeden Fall günstiger weg.

ARGE-Sprecher Florian Faber: "Das ist eine einmalige Initiative in Europa. Es gibt kein vergleichbares System." Günter Ebner, Bio-Soja-Produzent: "Für mich als Produzent von Bioprodukten war das selbstverständlich, dass Bioprodukte auch Gentechnik-frei sein sollten."

Während es die Hersteller von Bio-Nahrungsmitteln durch die ihnen abverlangten Auflagen und teilweise eine doch weitere Kontrolle über die Rohmaterialien einfacher haben, haben andere Wirtschaftsbetriebe, die "konventionelle" Produkte herstellen, mit der Umstellung auf "Gentechnik-frei" eher Probleme.

Karl Hager, Bäcker aus Murau: "Mit den Backmischungen wird es immer schwieriger Gentechnik-frei zu arbeiten. Die Kunden müssen wissen, was da in den Nahrungsmitteln drin ist. Im konventionellen Bereich ist es sehr schwierig geworden, Gentechnik-freie Produkte zu bekommen. Aber wir haben uns die Mühe genommen. Wir gewinnen immer mehr neue Kunden." Die Schwierigkeiten in der Welt der Bäcker: Während in Österreich die Wahrscheinlichkeit, auf gentechnisch verändertes Getreide zu stoßen, gering ist, machen ihnen die Zutaten für die Rezepte samt Ölsaaten, Sonnenblumenkernen, Leinsamen und Emulgatoren das Leben bei der Herstellung Gentechnik-freier Backwaren schwer.

Die Arbeitsgemeinschaft für Gentechnik-frei erzeugte Lebensmittel setzt sich für Höchstgrenzwerte von einem Prozent an möglichen Rückständen von gentechnisch-veränderten Rohmaterialien für Produkte ein. Dieser Wert könne aber gesenkt werden, wenn es die Nachweismethoden erlaubten, hieß es.

www.gentechnikfrei.at im Internet zu finden (APA)

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