Freund Arbeit zurückholen

30. Oktober 2006, 09:34
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Das "Behaltemanagement" bei Magna Steyr Fahrzeugtechnik hat den Erhalt von Produktivität und Arbeitsfähigkeit über die Generationen zum Ziel

Das Problem eines Mangels an "alternsgerechten" Arbeitsplätzen sei heute nicht akut, sagt Bianca Eigler von Magna Steyr Fahrzeugtechnik und Koordinatorin des Projekts "Behaltemanagement", das vom Personalchef Erich Mayr geleitet und mit Förderung des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz sowie mit Unterstützung der Eurag Österreich abgewickelt wurde. Man denke an die Zukunft und reagiere zudem auf die Anhebung des Pensionsalters. Von den insgesamt ca. 9400 Mit_arbeitern seien rund 2500 Angestellte und 6900 Arbeiter, die für das Hochleistungswerk mit abgetakteter Produktion im Drei-Schicht-Betrieb zunächst die wichtigste Zielgruppe darstellen. Zwar liege das Durchschnittsalter in der Produktion bei 35, in manchen Sparten aber höher – es heißt also "alternsgerechte" Arbeitsplätze zu schaffen. "Alternsgerecht" deshalb, weil die Arbeitsbedingungen mit den altersspezifischen Fähigkeiten einhergehen sollten, um Produktivität zu erhalten, respektive zu steigern. Die Ende August der Führungsriege vorgelegten Ergebnisse wurden in Arbeitsgruppen mithilfe externer Experten erarbeitet – jetzt startet der Feldversuch.

"Mit dem Alter produktiver"

Rudolf Karazman, Arbeitsmediziner und u. a. geschäftsführender Gesellschafter des Institutes für humanökologische Unternehmungsführung (IBG) sowie Experte für "Productive Aging", war im Magna-Arbeitskreis "Arbeitszeitmodelle" involviert. Er sieht das "Hauptproblem nicht beim älteren Arbeitnehmer", sondern in den Strukturen der noch nicht ausreichend umgestellten "Prime Age Unternehmen". Jene, die die Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen fokussieren. Denn, so Karazman, Älterwerden sei kein Abbauprozess, sondern im Gegenteil ein Wachstumsprozess. Man müsse altersadäquat "Schwere nehmen, dafür Schwierigkeitsgrad steigern", sagt er. Die soziale Einbeziehung sei dabei wesentlich, nicht zuletzt deswegen, da durch "unbeteiligtes Abarbeiten" Krankheiten, Konflikte und Krisen entstehen – ergo die Produktivität sinke. "Letztlich geht es beim Behaltemanagement um Human Sustainability, das war lange kein Ziel" Es sei auch für unsere persönliche Entwicklung erforderlich, "uns den Freund Arbeit zurückzuholen", so Karazman. (haa, Der Standard, Printausgabe 23./24.9.2006)

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