Investor will mehr an OTP Bank

6. Oktober 2006, 10:33
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Megdet Rachimkulow, reichster Mann in Ungarn und will Anteil an ungarischer Bank auf zehn Prozent aufstocken

Budapest - Der russische Geschäftsmann Megdet Rachimkulow, Chef der ungarischen Altalanos Ertekforgalmi Bank (AEB) und reichster Mann in Ungarn, will seine Beteiligung an der ungarischen OTP Bank noch in diesem Jahr auf 8 bis 10 Prozent - je nach Entwicklung des Aktienkurses - aufstocken. Das berichten die beiden ungarischen Wochenzeitungen HVG und Figyelo nach Angaben der ungarischen Nachrichtenagentur MTI in ihren jüngsten Ausgaben. Rachimkulows Vermögen wird auf 220 Mrd. Forint - also knapp 800 Mio. Euro - geschätzt.

Vor einer Woche hat Rachimkulows Anteil an der OTP die meldepflichtige Marke von 5 Prozent überschritten. Derzeit hält der russische Investor demnach 5,294 Prozent an Ungarns größter Kommerzbank.

Rachimkulow sagte, er würde nur dann weiter in OTB-Aktien investieren, wenn der Preis auf 6.100 bis 6.400 Forint sinke, schreibt HVB. Figyelo zitiert ihn dagegen damit, dass die OTB-Titel unter 6.700 Forint fallen müssten, bevor er weiter kaufe. Der Investor erwartet für heuer einen Kurs bei OTB-Papieren zwischen 6.400 und 6.700 Forint, in drei bis fünf Jahren könnte der Wert jedoch auf 10.000 bis 12.000 Forint steigen, meinte er.

Kaufprozess

Rachimkulow sagte, er sehe sich nun als Finanzinvestor, der sich in einem Kaufprozess befindet und seine Anteile in den nächsten drei bis fünf Jahren halten oder sogar ausbauen wolle. Er beabsichtige aber nicht, das Management der Bank zu beeinflussen, wenngleich er im Bericht sagte, dass er eine Position im Aufsichtsrat annehmen würde, wenn man sie ihm anbiete.

Hauptmotiv für die geplante Aufstockung der Anteile sei die jüngste Expansion der OTP Bank nach Russland und in die Ukraine, so Rachimkulow. In den vergangenen Jahren habe er immer wieder OTP-Titel gekauft und verkauft, sein Anteil sei aber niemals über 0,5 Prozent hinausgegangen. Die Investitionen in Russland und in der Ukraine, wo der Bankenmarkt ein enormes Wachstum vor sich habe, könnten große Gewinne für die OTP bringen, würden jedoch eine neue Strategie für diese Märkte erfordern, so der russische Investor.

Verbesserte Geschäftskultur

"Die OTP muss vorbereitet sein. Auch wenn sich die Geschäftskultur in den vergangenen Jahren stark verbessert hat, so waren nur 30 russische Banken in der Lage, strikte Regeln einzuführen. Und ich bin mir nicht sicher, ob die OTP-Übernahme unter diesen Banken ist", wird Rachimkulow zitiert. Um die österreichische Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. rittert die OTP ja nun wie vergangene Woche berichtet doch nicht mit.

Er, Rachimkulow, habe nicht genug Geld, um seinen OTP-Anteil auf über 25 Prozent aufzustocken. Zudem würden die OTP-Statuten die möglichen Stimmrechte ohnehin auf 25 Prozent limitieren. Damit könne die OTP Bank kein Opfer einer feindlichen Übernahme werden, betonte der Investor mit Verweis auf die ungarische Gesetzgebung, die Begrenzung der Stimmrechte und auf eine goldene Aktie, die der Staat hält. Zudem würde die Bank zu teuer bewertet werden, zumal man erwartet, dass sich ihr Wert in den nächsten drei bis fünf Jahren auf 15 bis 18 Mrd. Euro erhöht.

Fusion nicht ausgeschlossen

Sollte die Bank verkauft werden, würde es eher einen Verhandlungsprozess geben als eine feindliche Übernahme, erwartet Rachimkulow. "Seriöse Unternehmen beginnen nicht einfach mit einer Übernahme, sie setzen sich an den Verhandlungstisch und reden mit den Eigentümern und dem Management", so der Investor. Ein Fusionsangebot einer großen westlichen Bank im Jahr 2010 oder 2011 wollte er aber nicht ausschließen. Ganz im Gegenteil: Er hoffe auf eine solche Option, denn damit würde er den Wert seines Investments verdoppeln.

Rachimkulow sagte weiter, dass er in keine Investments gehe, bei denen das Risiko über 10 Prozent liege. Im Falle der OTP Bank liege das Risiko darunter.

In der zweiten Jahreshälfte 2007 wolle der gebürtige Russe in seine Heimat zurückkehren. Seine Position als Präsident der AEB Bank werde er aber noch zwei bis drei Jahre lang behalten, bis seine Söhne das Management übernehmen könnten.

Auf die Frage, ob er seine Beteiligung am ungarischen Öl- und Gaskonzern MOL von 2 Prozent behalten wolle, sagte Rachimkulow, dass ihm der Bankensektor langfristig stabiler und sicherer erscheine. "Die Wachstumserwartungen für die MOL sind nicht allzu rosig, weil ich keine weitere Expansionsmöglichkeit im Ausland sehe. In MOL-Titel investiere ich nur zu Spekulationszwecken, also unter einem Jahr". An der MOL hält u.a. auch 10 Prozent die österreichische OMV.

Vermögensanstieg um 20 Prozent

Im Vorjahr ist Rachimkulows Vermögen nach seinen Angaben um 20 Prozent gewachsen. Die Hälfte seiner Investments hat er in Ungarn, ein Drittel in Zypern und den Rest in Russland. Sein jüngstes Investment bei der OTP habe er mit Barmittel aus seinen Unternehmen und über Kredite finanziert. Wenn nötig, könnte er weitere 100 Mrd. Forint in die OTP investieren, sagte er mit Verweis auf die 64 bis 65 Mrd. Forint, die er aus dem Verkauf seines 25-Prozent-Anteils am ungarischen Chemieriesen BorsodChem erhält. Zudem gehören ihm 0,3 Prozent an der russischen Gazprom, was einem Wert von 170 Mrd. Forint auf Basis der Marktkapitalisierung des Unternehmens von 260 Mrd. Dollar entspreche. (APA)

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