Islamische Feministinnen wollen Neuinterpretation des Koran

11. Oktober 2006, 09:23
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Expertinnen bei Tagung in Paris: Exklusive Kontrolle der Männer festigte kulturell bedingte Diskriminierungen

Paris - Dass der Feminismus auch in den islamischen Ländern existiert, davon zeugt eine moslemische Frauendelegation, die sich am Sitz der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur in Paris (UNESCO) an einer Tagung beteiligten, die vom Ausschuss "Islam und Laizismus" organisiert wurde. "Zu sagen, dass der Feminismus eine westliche Idee ist, die den Islam nicht betreffen kann, zeugt von großer Unwissenheit oder dient dazu, den Islam und die Moslems zu erniedrigen", betonte am Donnerstag die Forscherin Margot Bardan, die sich als Spitzenvertreterin der islamischen Frauenbewegung an der Pariser Tagung beteiligt hat.

Unter den Teilnehmerinnen befand sich auch Amina Wadud, die für ihre Bücher und vor allen dafür bekannt ist, als weiblicher Imam ein Freitagsgebet veranstaltet zu haben, an dem sich in der selben Moschee Männer und Frauen beteiligen konnten. "Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist eine Bevölkerung gebildeter und autonomer moslemischer Frauen entstanden", betonte die Soziologin Valentine Moghadam, Chefin der Abteilung "Gleichheit und Entwicklung" an der UNESCO, die sich für die Entwicklung der moslemischen Gesetze zugunsten der Frauen einsetzt.

Interpretation des Koran

Bei der Tagung in Paris strichen die anwesenden Frauen hervor, dass die exklusive Kontrolle der Männer über die Interpretation des Korans dazu geführt habe, dass man im Islam kulturelle Gewohnheiten rechtfertigt, nach denen die Frauen den Männer unterlegen sind. Die Frauen wollen sich nun die Interpretation des Korans wieder aneignen, um gegen die Diskriminierungen im moslemischen Familienrecht ankämpfen zu können. (APA)

  • Amina Wadud unterrichtet Islamwissenschaften an der Virginia Commonwealth University.
    Amina Wadud unterrichtet Islamwissenschaften an der Virginia Commonwealth University.
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