Durchwachsene Reaktionen aus dem Stiftungsrat

2. Oktober 2006, 12:11
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Betriebsrat zufrieden

Durchwachsen sind die Reaktionen auf das am Donnerstag im ORF-Stiftungsrat gewählte Direktoren-Team von Alexander Wrabetz. Lob für das Personalpaket des künftigen ORF-Chefs gab es vor allem von SPÖ-, BZÖ- und FPÖ-Stiftungsräten. Von "Top-Leuten" und Freude über die "breite Zustimmung" war die Rede. Kritik an Wrabetz kam von einer schwarz-grünen Allianz, die sich in Sachen ORF-Geschäftsführung aber nicht durchsetzen konnte.

"Dein Willy geschehe", fasste ein BZÖ-Stiftungsrat die Situation schon vor der Sitzung zusammen, nachdem BZÖ und SPÖ in letzter Minute in Sachen Radiodirektor von Willy Haslitzer auf Willy Mitsche umgeschwenkt waren. Der grüne Stiftungsrat Pius Strobl, der bei der Generaldirektorenwahl noch für Wrabetz votierte, scherte am Donnerstag nicht zuletzt wegen dieser Entwicklung aus der Regenbogenkoalition aus. "Einem Team, das nicht ein Zukunftssignal ist, das nicht einen signifikanten Frauenanteil hat und nicht die bestmöglichen Leute umfasst, stimme ich nicht zu. Das Team ist zu akzeptieren, aber es ist nicht das bestmögliche", so Strobl, der auch die Altersstruktur des neuen Direktoriums bemängelte.

Enttäuscht zeigte sich VP-"Freundeskreis"-Leiter Kurt Bergmann. "Elmar Oberhauser, Wolfgang Lorenz, Sissy Mayerhoffer und Peter Moosmann sind akzeptabel. Willy Mitsche und Thomas Prantner, der seine derzeitige Arbeit gut macht, sind es nicht", erklärte Bergmann. "Ein Führungsteam einzusetzen, das zu einem Drittel aus eindeutig nicht qualifizierten Personen besteht, ist kein Renommee für den ORF und den Stiftungsrat, es ist auch kein Renommee für den neuen Generaldirektor und für die qualifizierten Mitglieder des vorgeschlagenen Teams." Bergmann hatte zuletzt noch angeregt, ORF-Wissenschaftschefin Gisela Hopfmüller oder Radio-Chefredakteur Karl Amon zum Hörfunkdirektor und den bisherigen Hörfunkdirektor Kurt Rammerstorfer zum Onlinedirektor zu wählen.

Dies änderte freilich nichts daran, dass neben den zwei schwarzen Betriebsräten auch zwei Ländervertreter des ÖVP-"Freundeskreises" die Fronten wechselten und für Wrabetz' Teamvorschlag stimmten. Darunter auch Alberich Klinger, von Erwin Pröll entsandter Stiftungsrat aus dem tiefschwarzen Niederösterreich.

Von einem Erfolg für den ORF sprach der bürgerliche Zentralbetriebsratsobmann Heinz Fiedler. "Nix ist perfekt, aber diese Lösung ist ordentlich, sauber und in Summe austariert." Er bekenne sich zu diesem Team und haben das auch seinen "Freunden" im Stiftungsrat erklärt. "Ich bin in erster Linie der Exponent der ORF-Partei und erst in zweiter Linie christlich-sozialer", so Fiedler.

Der unabhängige Stiftungsrat Franz Küberl, der am 17. August für Wolfgang Lorenz als Generaldirektor stimmte und nun Wrabetz' Teamvorschlag unterstützte, zog eine nüchterne Analyse: "Wrabetz hat ein ambitioniertes Programm vorgelegt. Es ist zu hoffen, dass das von ihm gewählte Team diese berserkerhaften Aufgaben bewältigen kann. Beim Team kann man sagen, das Glas ist halb voll oder das Glas ist halb leer. Ich habe für mich beschlossen zu sagen, es ist halb voll", so Küberl. "Die Latte für Wrabetz liegt hoch. Jetzt muss er mit seinem Team springen."

Die Redakteursvertretung der ORF-Journalisten zeigte sich unterdessen wenig euphorisch, hielt sich aber mit offener Kritik zurück. Nur soviel: "Das Bemerkenswerteste an der Direktorenwahl ist, dass sie überaus deutlich macht, wie dringend notwendig eine Änderung des ORF-Gesetzes, vor allem eine radikal andere Stiftungsrat-Beschickung ist." (APA)

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