Kieferchirurg lagerte Köpfe in Keller

10. Oktober 2006, 16:31
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Arzt arbeitete an Forschungs-Projekt - Einbrecher stießen auf Präparate und flüchteten - Hausmeisterin entdeckte Kopf

Als "spektakuläre Geschichte ohne kriminalpolizeiliche Relevanz" entpuppte sich der Fund von acht menschlichen Köpfen und zwölf weiteren Gesichtsschädelteilen von Donnerstagabend in Wien-Donaustadt, wie Oberstleutnant Horst Zeiler vom Kriminalkommissariat Nord am Freitag sagte. Der Fundort, ein Kellerabteil im Kaisermühlner Goethehof, habe als Depot eines Zahnarztes und Kieferchirurgen gedient, der seit zehn Jahren in einem Expertenteam an der Erforschung des menschlichen Schädels gearbeitet hatte und die Präparate dafür verwenden wollte, so der Ermittler.

Eine Hausmeisterin hatte die Leichenteile gegen 18.30 Uhr im Keller von Stiege 17 entdeckt. Ursprünglich dürften Einbrecher den grausigen Fund gemacht haben, die "vor Schreck" möglicherweise ohne Beute geflüchtet waren, meinte der Kriminalist.

"Seriöser Mediziner"

Laut Polizei ist der Zahnarzt ein "seriöser und renommierter" Mediziner. Die Leichenteile stammen von Personen, die ihre Leichname der Forschung zur Verfügung gestellt hatten, sagte der Oberstleutnant. Der Kieferchirurg, der in der Nähe des Fundorts eine Ordination betreibe, sei rechtmäßig in den Besitz der Präparate gelangt. Damit sei der Tatbestand "Störung der Totenruhe" nicht erfüllt, "dafür hätte er die Leichenteile ausbuddeln müssen", so der Ermittler. Dem Mediziner sei nichts vorzuwerfen.

Der Zahnarzt habe die Köpfe aus dem Nachlass eines verstorbenen Universitätsprofessors übernommen und sie in dem Depot zwischengelagert. Die Köpfe und Gesichtsteile dürften seit zwei bis drei Monaten in dem Kellerabteil der Ehefrau des Mediziners gelegen sein. Sie waren professionell verwahrt in eine Lösung eingelegt und in Folien eingeschweißt, sagte Zeiler. Für eine Beschlagnahmung der Präparate sah er keine Veranlassung.

Weiter ermittlen werde die Polizei lediglich in punkto Einbrüche in einigen Kellerabteilen im Goethehof, sagte der Kriminalist. Die Einsatzkräfte haben Spuren gesichert und würden nun überprüfen, ob die Eindringlinge am Donnerstagabend überhaupt etwas mitgenommen haben. (APA)

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