Fortsetzung der Kreuzzüge mit anderen Mitteln?

von Redaktion  |  01. Oktober 2006, 21:22

Über einige Irrtümer im Streit um die Regensburger Rede des Papstes - Kommentar der anderen von Omar Al-Rawi

Replik auf Ulrich Körtners Kritik an der "Dialogunfähigkeit des Islam" (18. 9.) aus muslimischer Sicht.

Ja, ich stimme zu: Voraussetzung jeden Dialogs sind wechselseitiger Respekt der Gesprächspartner, gleiche Spielregeln für alle und keine Tabus.

Das Zitat, das der Papst in seiner Regensburger Rede verwendet hat, stammte ja im Grunde aus einer Dialogveranstaltung - nämlich jener zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Paleologos und einem Islamischen Gelehrten. Welche im übrigen nicht in privatem Rahmen, sondern in einer Art öffentlichem Kamingespräch in der Residenzstadt Ankara stattfand und bei der sich beide gegenseitig wahrlich nichts geschenkt haben.

Interessant ist allerdings die Frage, warum der Papst den Islamischen Gelehrten in seiner Rede nicht zu Wort kommen ließ bzw. ihn nicht zitierte? Im Sinne der von Körtner geforderten fairen Spielregeln wäre das doch eigentlich das Mindeste gewesen.

Auch wurde der Welt und allen Zuhörern in Regensburg die Tatsache vorenthalten, dass dieser Dialog in islamischer Umgebung am Hofe des Osmanischen Sultans stattgefunden hat - was beweist, dass dem byzantinischen Kaiser, der bereits Vasall des Sultans war, trotz seiner scharfen Kritik nichts passiert ist. Es wurde auch nicht versucht, ihn mit dem Schwert zu bekehren, sondern durch Dialog und Überzeugung. Im Übrigen hat Manuel II an seinem Sterbebett seinem Sohn den Rat gegeben, alles tun zu dürfen - bis auf eines: sich Rom und dem Papst zu unterwerfen. Wohl aus leidvollen Erfahrungen der ersten Kreuzzüge, die Konstantinopel verwüstet haben.

Ein Mindestmaß an Kenntnissen über die Religion des Dialogpartners wäre jedenfalls von Vorteil. Dass die im Westen weit verbreitete Gleichsetzung von "Djihad" mit "Heiliger Krieg" auf einer groben Fehlübersetzung beruht, sollte auch dem Papst geläufig sein.Und schon eine kurze Recherche über die Suren des Korans würde genügen, um zu wissen, dass der bekannte Vers in der Sure 2:257 : "Kein Zwang in Glaubenssachen" nicht, wie auch von Prof. Körtner behauptet, aus einer Zeit stammt, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war.

Es gilt als Konsens, dass die zweite Sure in Medina offenbart wurde, also zu jener Zeit als der Prophet und die Muslime bereits einen Staat etabliert hatten und nicht mehr machtlos waren. Die Reihenfolge der Suren im Koran entsprechen nicht deren chronologischer Offenbarung. Eben dieser Koran fordert auch die Muslime dutzendfach dazu auf, ihr Wissen zu mehren und und ihren Verstand zu nutzen. "Habt ihr denn keinen Verstand?"(2:44) "Habt ihr denn nicht gesehen...?" (31:20), "Wollt ihr denn nicht nachdenken?" (6:50). So viel nur in Kürze zur Vorlesung über "Glaube, Vernunft und Universität".

Selbstverständlich haben koranische Vorschriften oder die Scharia für überzeugte Christen oder andere Nichtmuslime keine Geltung. Die Feststellung von Prof. Körtner "Wer aber von der Wahrheit des christlichen Glaubens überzeugt ist, wird weder Mohammed für einen sakrosankten Propheten noch den Koran für eine göttliche Offenbarung halten" verbirgt einen Teil des Problems. Denn das zweite Vatikanische Konzil hat zwar seine Hochachtung gegenüber den Muslimen zum Ausdruck gebracht, dies erscheint aber im Widerspruch dazu, dass man ihrem heiligen Buch die göttliche Offenbarung abspricht. Auch hat die Katholische Kirche seit den sechziger Jahren es penibel vermieden, sich zum Propheten Mohammed - trotz der Annerkennung des Islam als Religion - zu äußern, Stellung zu beziehen, oder ihn zumindest zu erwähnen. Genau das aber erwarten die Muslime, die ihrerseits Jesus sehr wohl als Gesandten Gottes anerkennen und auch sein Buch als göttliche Offenbarung betrachten.

Zwei Versäumnisse

Fazit: Der Papst hat es verabsäumt, sein Zitat zu relativieren, bzw. dessen Abweichung von seiner eigenen Meinung deutlich zu machen, und den historischen Kontext des Mittelalters zu unterstreichen. Damit blieb ein leiser Verdacht, dass er sich hinter einen Zitat versteckt hat. - Und die Muslime haben vergessen, dass ihr heiliges Buch, der Koran, in mehreren Versen Zitate von Andersgläubigen, Heuchlern und Feinden des Propheten aufnimmt, in denen dieser beleidigt und angegriffen wird. Womit der Koran für die Nachwelt ein Manifest für Meinungsfreiheit geliefert und zugleich durch die Beantwortung der jeweiligen Vorwürfe einen Weg gezeigt hat, wie man damit umgehen soll. Nämlich durch Dialog, den wir gewiss nicht als "Fortsetzung des Djihads mit anderen Mitteln" sehen. Denn wie gesagt: Den Djihad als "Heiligen Krieg" kennen wir nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2005)

Omar Al-Rawi ist Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und Mitbegründer der Initiative muslimischer Österreicher/innen.
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rosmarin blume
28.09.2006 14:24
Al Rawi sollte sich dringend wichtigerem widmen:

Eine Stellungnahme warum er Lügengeschichten über seine familiären Verstrickungen im Irak erzählt.

Eine Stellungnahme warum er gemeinsam mit seinem Bruder im wahren Glauben (Baghajati), kurdische Mitbürger, die nicht seiner Meinung sind, mit Drohungen eindeckt und seine Macht als SPÖ Abgeordneter mißbraucht.

Eine Stellungnahme über seine antisemitischen Anwandlungen oder darüber, wie sich ein männlicher Diplomingenieur anmaßen kann ständig religiösen Schwaschsinn von sich zu geben, hinter dem sich sein gestörtes Verhältnis zur Welt und besonders zu Frauen verbirgt!

a propos Kreuzzüge:
http://www.faz.net/s/RubF753... ntent.html

Ibrahim 22
02.10.2006 16:28
Aussenndung 25.02.2005 Soviel zu Al-Rawi

Auch ein Grundsatzpapier soll verabschiedet werden, das ein "klares Bekenntnis zum Staat, seiner Verfassung und seinen Institutionen" enthalten werde. Außerdem soll es sich mit Freiheiten, Bürgerrechten und dem Recht auf Meinungsfreiheit befassen, eine "klare Absage an jegliche Form von Extremismus" formulieren und sich mit dessen Bekämpfung beschäftigen. Weitere Themen: Die Rolle der Frau und ihrer Rechte im Islam sowie die Beziehung zu anderen Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen.

Verantwortlich für den Entwurf des Papiers seien die führenden islamischen Rechtsgelehrten in Wien, darunter Adnan Ibrahim, Imam der Shura-Moschee in der Leopoldstadt und laut Al-Rawi der "Star-Prediger von Wien", sowie Mohammad Turhan.

Mamonas
09.10.2006 14:34

Jemand der unverfroren behauptet: "Denn wie gesagt: Den Djihad als "Heiligen Krieg" kennen wir nicht" und eine Position wie Herr Al Rawi hat, ist schlicht und einfach ein LÜGNER und somit unglaubwürdig.

Ibrahim 22
02.10.2006 16:15
Hallo Antideutsche

wieder einmal die islamophoben ausritte der anti deutschen und ihre verleumdungen gegen einen integren persönlichkeit der sich bei der imame konferenz sich dafür eingesetzt hat antisemitismus klar und explezit zu verurteilen. das er ein man sei kann er nun wirklich nichts dafür.

rosmarin blume
28.09.2006 14:10
Es ist überhaupt die Frage, wie lange sich die SPÖ Wien noch einen Abgeordneten leisten kann,

der nach Maßstäben von Herrn Prof. Tibi eindeutig islamistischen Denkrichtungen zuzurechnen ist, der noch nie, niemals ein Wort der Selbstreflektion oder des Bedauerns für all die Toten über die Lippen gebracht hat. Zudem gehört er zu einer Clique, die bestrebt ist islamische Schariaregeln, also das Haus des Islam in Europa zu verbreiten und keinesfalls an Integration interessiert ist.
Ein Zitat irgendwo auf der Welt und ganz woanders wird dafür eine Nonne ermordet. Das ist für ihn keine Zeile wert, keine Standortbestimmung für einen demokratischen Umgang. Nein!
http://www.dradio.de/dlf/sendu... dlf/546639

Ibrahim 22
02.10.2006 16:10
Verleumdung wie Westenthaler und die Halbmonde

Die Muslime in Österreich begrüßten die Äußerungen des Papstes und verurteilen eindeutig jede Gewalt oder ihre Androhung gegenüber Angehörigen anderer Religionen. Auch der Mordaufruf gegen Papst Benedikt XVI. durch die Terrorgruppe Al Kaida sei schärfstens zu verurteilen und werde abgelehnt. Das erklärte der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IG) und Wiener SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi nach einer gemeinsamen Unterredung mit dem Wiener Imam Scheich Adnan Ibrahim am Sonntag gegenüber der APA.

realo
27.09.2006 13:58
Elisabeth Jarok
25.09.2006 22:35
mit der realität auseinandersetzen!!!

den djihad als heiligen krieg kennen aber zig islamistische gruppierungen, die sich mit absicht genau diesen namen geben und auf ihren vor ihren attentaten aufgenommen videos genau diesen beschwören.

natürlich kann man das als missverständnis des wahren islam bezeichnen - es ist aber realität und man sollte sich damit zumindest auseinandersetzen.

krenreiber
25.09.2006 14:00
aktuell

"Das ist keine Integrationspolitik", Bassam Tibi

http://www.dradio.de/dlf/sendu... lf/546639/

Shaman141  
25.09.2006 11:38
...

also das der koran eine versinnbildlichung von freier meinungsäußerung sein soll und der djihad nur eine metapher ist halte ich für eine reine verlegenheitslüge eines moslems, der sich den gesellschaftlichen und philosophischen errungenschaften des westens unterlegen fühlt und die dogmatik und radikalität seiner religion zu cachieren sucht. trotzdem sind gemäßigte wie er die einzigen möglichen dialogpartner in dieser glaubensgemeinschaft! mfg, shaman

RichardRoe
25.09.2006 16:58

Das Wort 'djihad' ist keine zahnlose Metapher. Es bedeutet 'Öffnung' (nichtmuslimischer Gebiete für den Islam - das ging nicht ganz gewaltlos ab, wie wir wissen. Die Eroberung Nordafrikas und Spaniens war keine Dialogveranstaltung), wird aber in verschiedener Bedeutung verwendet und bei Diskussionen von Muslimen meist in der harmlosesten Version präsentiert. Die ist übrigens die 'innere Öffnung', also eine Bemühung 'zum Glauben zu finden'.

Beispiel: Der iranische 'Führer' Khamenei gratulierte dem libanesischen Scheik Nasrallah brieflich zu seinem Sieg im - Djihad gegen Israel. Hier 'djihad' als Krieg gegen Ungläubige. Er hat dann im gleichen Brief nochmals 'djihad' verwendet, in einer weniger aggressiven Bedeutung.

Schwendo
24.09.2006 12:04
Religionen stiften nur Uruhe, Hass und Kriege

Ich kann nur sagen: Religionen sind so überflüssig wie ein Kropf. Religionen sind Machtwerkzeuge und Geldscheffelanlagen. Die Knebelung der Menschen ist im Grunde nichts anderes als permanente Menschenrechtsverletzung. Und das traurigste ist, dass der österreichische Staat immer noch den Unrechtsvertrag "Konkordat" anerkennt und Milliarden Euros von unserem Steuergeld den Kirchen in den Hintern schiebt. Religion muss Privatsache bleiben und nicht vom Staat und von den Medien verhätschelt werden.

franz mann
25.09.2006 11:52
naja

menschen begehen überall gewalt! so kann man das auch sehen. willst du das mensch-sein verbieten?

zu den religionen ein interessanter text, der zeit, welche religion wirklich die gewalttägige ist.

http://www.faz.net/s/RubF753... ntent.html

Mamonas
24.09.2006 20:17

"Religionen stiften nur Uruhe, Hass und Kriege"

OK, und was brachten die Alternativen namens Kommunismus, Nazitum, Darwinismus, Maoismus, etc.?

franz mann
27.09.2006 23:05
danke für die rückmeldung

die nicht freigeschalten wurde.
ich verteile den artikel schon fleissig!

Peterk K
23.09.2006 21:02
Dialog

1. Wie der Papst ausführt, war das Zitat Ausgangspunkt für die Entwicklung seines Vortrag zu Vernunft bzw. Gewalt und Religion. Gewalt, die in allen Religionen ausgeübt wurde und sich daher seine Aussagen auch gegen die christl.Geschichte richtete. AlRawi bleibt allzusehr bei dem Zitat hängen und übersieht die distanzierende päpstl.Bewertung des kaiserl.Zitats. Faire Spielregeln ist daher Unsinn, geht es doch nicht um ein Spiel Christen vs. Muslime, sondern Gewalt vs. Religion. 2. Wenn AlRawi dann auch in den Geschichtstopf greift, darf aber auch er seinen Lesern nicht vorenthalten, daß wenige Jahrzehnte später, so wie bereits vorher, von Gewaltfreiheit nichts zu spüren war und Kaiser & Konstantinopel Opfer muslim. Krieger wurde.

rhaino
23.09.2006 23:36
Zu Punkt Nr. 2

Dem Kaiser hätten gewaltfreie Herrscher in der Nachbarschaft wohl ziemlich gefallen - eine leichte Gelegenheit, das eigene Territorium zu erweitern.
So wurde das byzantinische Reich halt Opfer des Imperialismus-wenn nicht das Osmanische Reich, dann hätten wohl irgendwelche andere europäische Staaten zugeschlagen.
Bei den Kreuzritter des 13ten Jahrhunderts war jedenfalls von christlicher Nächstenliebe nicht viel zu spüren gewesen, als sie Konstantinopel plünderten.

Peterk K
23.09.2006 20:53
Dialog und Respekt

3. AlRawi führt richtig aus, daß Jesus anerkannter Prophet im Islam ist, es bleibt ihm auch nichts anderes übrig, da dies im Koran steht. Aber was er erwartet ist unklar, soll die Bibel umgeschrieben werden, um Mohammed zu einem anerkannten christl.Propheten zu machen? 4. AlRawi sollte wissen, daß es viele KoranAnweisungen gibt, wie mit Götzendienern und Schriftbesitzer umzugehen ist und die sind alles andere als nur freundliche und respektvolle Bemerkungen. Wenn er zudem Dschihad als heiligen Krieg nicht kennt, kann er von islamFundamentalisten belehrt werden, ob sie darunter ein touristisches Happening verstehen. Vor allem sollte er vergleichen, wo aktuell mehrFreiheit der Religion herrscht und wo gewaltsame Angriffe.

tiefewasser   
23.09.2006 20:02
wer

von redlichem streben nach wahrheit überzeugt ist wird keine religionen mit grössenwahnsinnigem abolutheitsanspruch als seligmachende quelle von humanismus und weisheit anerkennen.

und gegen "göttliche offenbarungen" gibt heutzutage medikamente.

weder mohammed noch den vatikan.

woessman 
23.09.2006 19:56
"Der Papst hat es verabsäumt, sein Zitat zu relativieren"

das ist richtig.
entweder er hätte es bleiben lassen, oder er hätte es kommentieren müssen (evtl. mit hinweis auf die kreuzzüge etc.).

andererseits zeigen die reaktionen, dass er mit dem zitat ja nicht so falsch lag, was nicht bedeutet, dass es gut war, es zu gebrauchen (siehe die folgen).

Satrillja
24.09.2006 10:46
HC ?

Du hier?

woessman 
24.09.2006 22:16

seit wann kritisiert Ihr freund hc den papst?

Trost & Rat
23.09.2006 14:35
Herr Al-Rawi

hätte mich beinahe überzeugt, dass der Islam eine Religion ist, die Gewalt ablehnt. Leider gibt es da eine tausend Imame, die genau das Gegenteil bestätigen.

Die Verwendung des Zitates war möglicherweise undiplomatisch, ganz sicher verkürzend (wie jedes Zitat), eventuell sogar eine gewollte Provokation.

Diejenigen, die den "Affen im Vatikan" zum Abschuss freigeben, dürften allerdings ein dringenderes Problem darstellen.

Erika Gutjahr
23.09.2006 15:57
warum?

nur weil es im Islam Prediger gibt, die zu unislamischen Kriegen aufrufen, heißt es doch nicht, dass der Islam eine Religion ist, die nicht friedlich ist.
Genau das gleiche gibt es auch im Christentum!!!
Nur weil ein paar (oder aber besser: sehr viele) das Christentum mit "Füßen treten" und alles tun, um es zu schädigen, heißt es auch noch lange nicht, dass das gesamte Christentum schlecht ist!

Mamonas
26.09.2006 08:12
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