Italienische Regierung plant Strategie gegen Ausbeutung von Illegalen

2. Oktober 2006, 15:37
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Aufenthaltsgenehmigungen für Immigranten, die Schwarzarbeit anzeigen

Rom - Gegen die Ausbeutung von illegalen Immigranten als Schwarzarbeiter startet die italienische Regierung mit einer neuen Strategie. Ausländer, die ihre Ausbeuter anzeigen, sollen eine sechsmonatige Aufenthaltsgenehmigung in Italien erhalten. In dieser Zeit können sie sich eine legale Beschäftigung suchen. Hinzu will die Regierung auch die legale Einwanderung fördern und dabei Personen mit beruflicher Ausbildung und Italienisch-Kenntnissen unterstützen, lautet ein Projekt des italienischen Innenministers Giuliano Amato, der somit den Kampf gegen Menschenhändler verschärfen will.

Amato will diese Initiative ergreifen, nachdem erschreckende Berichte über mafiöse Organisationen veröffentlicht wurden, die afrikanische Immigranten in der Landwirtschaft ausnutzen. Der Arbeitnehmer werde mit psychologischem Druck oder sogar physischer Bedrohung an den Vermittler gebunden, dürfe nur unter der Kontrolle dieser Person beschäftigt werden und müsse einen Teil der Entlohnung oder des Lohnguthabens an den Vermittler abtreten, berichtete die Polizei.

In mehreren Teilen Apulien würden illegale Einwanderer wie Sklaven behandelt und geschlagen, wenn sie nicht 16 Stunden pro Tag für einen Hungerlohn von 15 Euro in den Tomatenfeldern arbeiten, berichtete die Polizei. Den größten Teil ihres Stundenlohns von zwei bis fünf Euro müssen sie für Unterkunft und Verpflegung abgeben. Die Immigranten werden mit der Drohung von Racheaktionen gegen ihre Angehörigen in ihren Herkunftsländern eingeschüchtert, um eine Flucht zu verhindern.

Kürzlich entdeckte die Polizei einen Handel mit polnischen Arbeitern, die unter sklavenähnlichen Verhältnissen in den apulischen Feldern schufteten und sogar mit Falschgeld bezahlt wurden. Die polnische Polizei sucht mit Hilfe der italienischen Behörden nach 120 Polen, die seit dem Jahr 2000 in Italien verschwunden sind. Die Behörden gehen davon aus, dass die polnischen Staatsbürger zu Opfern mafiöser Organisationen geworden sind, die Immigranten auf den süditalienischen Feldern wie Sklaven ausbeuten. Die Liste der Verschollenen ist auf der Webseite der polnischen Polizei abrufbar.

Der italienische Arbeitsminister Cesare Damiano kündigte ausgedehnte Kontrollen an, um die Arbeitsverhältnisse in der süditalienischen Landwirtschaft zu überprüfen. Gemeinsame Initiativen sind auch mit dem Agrarministerium geplant. "Wir haben die institutionelle und moralische Pflicht, diese moderne Form des Sklaventums in den italienischen Feldern auszumerzen", sagte Landwirtschaftsminister Paolo De Castro. (APA)

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