Wachsende Kiritik an Gehaltserhöhung für den Vorstand

13. Oktober 2006, 20:57
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Ethikverband der Deutschen Wirtschaft kritisierte die geplante Erhöhung um 30 Prozent als ungerechtfertigt

Berlin - Die Kritik an der starken Anhebung der Vorstandsgehälter bei Siemens wächst. Der Ethikverband der Deutschen Wirtschaft (EVM) kritisierte die geplante Erhöhung um 30 Prozent als ungerechtfertigt. Die Entscheidung von Siemens beschädige den Ruf deutscher Unternehmer.

Kritik kommt auch von der IG-Metall. Gewerkschaftschef Jürgen Peters warf den Managern Maßlosigkeit und Instinktlosigkeit vor. "Es ist eine Unverfrorenheit ohnegleichen, auf der einen Seite tausende Stellen zu streichen und auf der anderen Seite sich maßlos die eigenen Taschen zu füllen", sagte er der "Berliner Zeitung" (Donnerstag).

Wertsteigerung als Rechtfertigung

Eine Gehaltserhöhung ist nach Ansicht des EVM nur vertretbar, wenn die Wertsteigerung des Unternehmens oder die Wertschöpfung sie auch rechtfertigt. Das sei bei Siemens nicht der Fall. Der Aktienkurs dümple vor sich hin, und die Rentabilität sei in vielen Bereichen nicht gut. So lag die Gewinnmarge im Kommunikationsgeschäft, von dem sich Siemens inzwischen getrennt hat, bei 0,8 Prozent. Die Sparte SBS schreibe sogar rote Zahlen. Der Vorstand müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, ethisch und moralisch unredlich zu handeln.

Verloren gegangene Stellen

Peters verwies darauf, dass in den Sparten SBS und Com zuletzt weit über 3.000 Stellen verloren gingen. Gleichzeitig solle sich die verbliebene Belegschaft bei SBS mit Einkommenskürzungen von zehn Prozent abfinden. "Es kann nicht sein, dass der Abbau von Beschäftigung durch eine exorbitante Erhöhung der Managervergütung belohnt wird." Siemens hatte die Gehaltserhöhung damit begründet, dass im Vergleich zu anderen Unternehmen die Vorstände unterbezahlt seien.

Der Generalsekretär der FDP, Dirk Niebel, warnte vor möglichen negativen Folgen für Siemens. Der Aufsichtsrat solle in seine Entscheidung die öffentliche Reaktion mit einbeziehen und sich notfalls auch korrigieren. "Sonst kann schnell ein Bumerang-Effekt eintreten, der Arbeitnehmer, Manager und Eigentümer trifft", sagte Niebel der Netzzeitung. (APA)

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