Erste Bank setzt auf Aktien in Europa

10. Oktober 2006, 13:49
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Trotz weiterer Zinserhöhungen auf 3,5 Prozent bis zum Jahresende - In den USA sinken die Zinsen

Wien - "Wir glauben, dass das Sentiment noch für Aktien spricht", sagte der Chefanalyst der Erste Bank, Friedrich Mostböck, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. 2006 entwickle sich zwar deutlich abgeschwächt, aber gut. Die Zuwachsraten bei den Unternehmensergebnissen dürften im Vergleich zu den vergangenen Quartalen leicht gebremst sein, liegen jedoch immer noch über zehn Prozent.

"Im Moment gibt es keinen wirklichen Grund für übertriebenen Pessimismus", so Erste Bank-Analyst Alexander Sikora-Sickl. Vor allem im Frühling habe es immer wieder Unkenrufe gegeben, dass die Luft aus den Aktienmärkten draußen sei. Doch die europäischen Unternehmen seien nach wie vor interessant. Als großes Plus nennt der Analyst die deutlich niedrigeren Bewertungen als noch vor wenigen Jahren bei gleichzeitig doppelt so guter Ertragskraft und halbierter Verschuldung. "Der Ausblick für Europa ist sicherlich positiv", so Sikora.

Die Investmentstrategen der Bank werden Aktien in Europa und den Emerging Markets Asiens übergewichten. "Hier gibt es noch mehr wirtschaftliches Potenzial, auch von Osteuropa sind wir nach wie vor überzeugt", so Mostböck. Dort lasse sich nach wie vor Wachstum über dem EU-Durchschnitt erzielen. Eine ganze Reihe von österreichischen Unternehmen wie etwa Erste Bank, Bank Austria, OMV, Telekom Austria oder Wienerberger hätten sich nicht so gut entwickelt, wenn sie sich auf den Binnenmarkt konzentriert hätten. "Das wirf eine Sache sein, die noch über die kommenden 15 oder 20 Jahre anhalten wird", so der Chefanalyst.

Zinssenkungsrunde in den USA

Angesichts der anstehenden Zinssenkungsrunden in den USA seien dort Renten mit kürzeren Laufzeiten interessant. Japan habe im letzten Quartal ein enttäuschendes Wachstum ausgewiesen und wird untergewichtet. Die Gewinndynamik in Fernost schwäche sich stärker ab als in Europa. Zudem seien die Aktien derzeit gegenüber den europäischen mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19,7 zu hoch bewertet.

Die europäischen Unternehmen werden heuer weitere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn erwirtschaften können, erwarten die Strategen der Erste Bank. Die Aktien seien günstig bewertet - insbesondere nach den Kurskorrekturen der vergangenen Monate. Die erwartete Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Oktober und im Dezember auf voraussichtlich 3,5 Prozent sollte die Börsen bis Jahresende nicht negativ beeinflussen. Unter dem Strich sei im vierten Quartal 2006 ein positiver Fortgang der europäischen Aktienmärkte zu erwarten.

Keine weiteren Zinserhöhungen

"Wir erwarten im ersten Halbjahr 2007 keine weiteren Zinserhöhungen , da die EZB abwarten wird, welchen Einfluss die Mehrwertsteuererhöhung und die Konjunkturabschwächung in den USA haben werden", so Erste-Analystin Veronika Lammer. Auf dem gedämpften Niveau sollte sich die Euroland-Konjunktur dann aber halten. Besonders positives Signal: "Mittlerweile generiert das Wirtschaftswachstum endlich Arbeitsplätze - auch in Deutschland", betonte die Marktstrategin.

Nach dem zuletzt wirklich kräftigen Konjunkturaufschwung in Euroland sei im zweiten Halbjahr 2006 und in 2007 mit einer Abschwächung der Dynamik zu rechnen. Dazu beitragen sollte die Abkühlung der US-Wirtschaft und die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland. Dafür sollte der Ölpreis die Aktienmärkte nächstes Jahr nicht weiter belasten. (APA)

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