Ölstreit um Sachalin 2

5. Oktober 2006, 17:10
posten

Nach dem Lizenz-Entzug für den Ölkonzern Shell für Gasbohrungen vor der sibirischen Insel Sachalin will Moskau offenbar über andere Unternehmen Gazprom einen Anteil sichern

Tokio - Der russische Gasmonopolist Gazprom verhandelt einer Zeitung zufolge nicht nur mit Shell, sondern auch mit den beiden japanischen Partnerunternehmen über einen Einstieg in das Flüssiggas-Projekt Sachalin 2. Der Staatskonzern spreche mit den Sachalin-Eignern Mitsui und Mitsubishi über eine Beteiligung von insgesamt fünf Prozent, berichtete das japanische Blatt "Yomiuri" (Donnerstagsausgabe).

Die beiden Unternehmen wiesen den Bericht zurück. Eine Entscheidung über einen Anteilsverkauf sei noch nicht gefallen. Shell, das die Mehrheit an Sachalin 2 hält, und Russland streiten derzeit über das weitere Vorgehen bei dem 20-Milliarden-Dollar-Projekt (15,8 Mrd. Euro) nördlich von Japan.

Gazprom-Beteiligung als Bedingung

Die russische Regierung hatte am Montag umweltrechtliche Genehmigungen zurückgezogen. Am Mittwoch machte der russische Botschafter in Japan weitere Fortschritte von einer Beteiligung Gazproms abhängig. Ursprünglich sollte der Export von Flüssiggas nach Japan 2008 beginnen.

Gazprom verhandelt bereits seit längerem mit Shell über eine Beteiligung an dem Projekt vor der ostsibirischen Insel Sachalin. Die Gespräche sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, gerieten zuletzt aber ins Stocken. Bereits seit längerem wird darüber spekuliert, dass die beiden japanischen Handelsunternehmen einen Teil ihrer Anteile an Gazprom verkaufen könnten.

Mitsui, derzeit mit 25 Prozent an Sachalin 2 beteiligt, soll dem Zeitungsbericht zufolge drei Prozent an Gazprom abgeben, Mitsubishi, das derzeit 20 Prozent hält, soll zwei Prozent verkaufen. Insgesamt strebt Gazprom nach früheren Angaben eine Beteiligung von 25 Prozent an.

Analysten schätzen einen Anteilsverkauf der japanischen Firmen an Gazprom positiv ein, weil so das Flüssiggas-Projekt eine größere politische Unterstützung erhalte und schneller vorankomme. Manche Experten befürchten jedoch, die beiden Unternehmen könnten für ihre Anteile einen zu niedrigen Preis von Gazprom erhalten.

Lizenzentzug auch für Total

Nach dem Entzug der Betriebserlaubnis für das milliardenschwere Öl- und Gasförderprojekt vor der sibirischen Insel Sachalin droht Russland nun auch dem französischen Ölkonzern Total mit Lizenzentzug für ein Ölförderprojekt in Charjaga im Norden des Landes. "Wir glauben, dass es eine rechtliche Grundlage für den Entzug der Lizenz in Charjaga gibt, weil das Unternehmen seine Verpflichtungen nicht erfüllt hat", sagte Nikolai Gudkow vom Ministerium für Bodenschätze am Donnerstag. (APA/Reuters)

Link
Shell
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.