Stagnation nach zehn Jahren

10. November 2006, 12:54
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T-Mobile feiert Geburtstag - Dieser fällt mit dem ersten Halbjahr zusammen, in dem die Handybranche ihren ersten Umsatz-Rückgang verzeichnete. Nur Telering half

Was für ein besinnlicher Augenblick, um einen zehnten Geburtstag zu feiern. Die fetten Jahre sind vorbei, erstmals verzeichneten die heimischen Mobilfunker im ersten Halbjahr 2006 einen Rückgang beim Umsatz um ein Prozent, und das, obwohl immer mehr mobil telefoniert wird und der Datenverkehr zunimmt. Nur durch den Kauf des "Speckjägers" Telering bleibt T-Mobile Austria, die im Oktober 2006 als Maxmobil an den Start des liberalisierten Mobilfunkrennens ging, dieses Schicksal vorläufig erspart, im ersten Halbjahr stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr von 435 auf 663 Mio. Euro. Aber: Rechnet man Telering heraus, "dann hätte der T-Mobile Umsatz stagniert", räumt T-Mobile-Austria-Chef Georg Pölzl bei der Geburtstagsfeier mit Journalisten ein.

Erfolg

Paradoxerweise ist es gerade der Erfolg des Mobilfunks, der den Grundstein zum jetzigen Umsatzrückgang legte. Denn obwohl Österreich als Schlusslicht zur europä-ischen Liberalisierungspartie kam, ist hier der Wettbewerb einer der intensivsten in Europa. Der damit verbundene rapide Preisverfall führte dazu, dass hier zu Lande der Ersatz des Festnetzes durch das Handy am weitesten fortgeschritten ist. Österreich hat bei acht Millionen Einwohner bereits neun Mio. SIM-Karten, schon 61 Prozent der 21 Mrd. Gesprächsminuten im Jahr laufen über den Mobilfunk, Tendenz weiter steigend. Und weil weiterhin "ein Anbieter zu viel" in diesem Markt mit fünf Anbietern und zehn Marken sei, wird der Preisverfall munter weitergehen, werden Umsätze und Erträge weiterhin sinken, sieht Pölzl voraus. T-Mobile trägt das ihre dazu bei: Zum Geburtstag gilt für alle Tarifarten ein Jahr lang zehn Euro Grundgebühr, was teilweise eine Halbierung ist (nach einem Jahr gilt wieder der jeweils höhere Tarif).

Marke bleibt

Telering wird übrigens als Marke weiterbestehen, da der Markt mit Yesss von One und Bob von Mobilkom endgültig eine durchgängige Zweimarkenstrategie zu fahren scheint. Nachdem Telering um 1,3 Mrd. Euro erworben wurde, werden heuer rund 100 Mio. Euro in die Zusammenlegung der Netze investiert; für den weiteren UMTS-Ausbau stehen 120 Mio. Euro zur Verfügung. Zwar werde der jetzige Mitarbeiterhöchststand von 1800 Personen schrumpfen, aber das regle die "Fluktuation", sagt Pölzl.

Der Datenverkehr ist auch die ganze Hoffnung Pölzls, den Gesprächs-Preisverfall wenn nicht auszugleichen, so doch zumindest abzufedern. "Der Trend zum Ersatz des Festnetzes wird sich beim Internet fortsetzen", sagt Pölzl, dank schnellen Tempos und Pauschaltarifen könne man "DSL bei der nächsten Übersiedlung vergessen". (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe)

  • T-Mobile Austria Chef Georg Pölzl

    T-Mobile Austria Chef Georg Pölzl

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