Entwicklung einer Alzheimer-Therapie vor neuen Herausforderungen

2. Oktober 2006, 12:45
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Tierversuche deuten auf mögliche Nebenwirkung einer Enzym-Blockade

Washington/München - Einer der hoffnungsvollsten Ansätze für die Entwicklung einer Alzheimer-Therapie steht vor neuen Herausforderungen. Die Blockierung eines Beta-Sekretase genannten Enzyms verhindert zwar die Entstehung der Alzheimer-Plaques im Gehirn, aber möglicherweise auch die Ausbildung einer schützenden Schicht um die Nervenfasern. Dies berichten Forscher um Christian Haass von der Ludwig-Maximilians-Universität in München nach einer Untersuchung an Mäusen im Journal "Science".

Typisch für die Alzheimer-Erkrankung sind Ablagerungen im Gehirn, die so genannten Amyloid-Plaques. Sie bestehen hauptsächlich aus dem so genannten Amyloid-beta-Protein, das wiederum aus einem sehr viel größeren Vorläufermolekül herausgeschnitten wird. Als "Schere" fungiert unter anderem das Enzym BACE1, eine Beta-Sekretase. Blockieren Forscher dieses Enzym, verhindern sie auch die Bildung der Amyloid-Plaques. Allerdings wusste bisher niemand, welche Aufgaben die Beta-Sekretase im gesunden Menschen wahrnimmt - und welche Folgen eine Blockierung des Enzyms für den intakten Organismus hätte.

Haass und seine Mitarbeiter fanden nun heraus, dass das Enzym bei neugeborenen Mäusen an der Ausbildung der Myelinschicht um die Nervenfasern beteiligt ist. Die Myelinschicht isoliert die Nervenfasern voneinander. Das ist nötig, damit sich die Nervenimpulse nicht gegenseitig stören. Bei der Entwicklung einer Therapie sollten diese wichtige Rolle des Enzyms sowie mögliche Nebenwirkung einer Enzym-Blockade berücksichtigt werden, schreiben die Forscher. (APA/dpa)

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