100.0000 illegale Dossiers

5. Oktober 2006, 17:38
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Parallel-Geheimdienst bespitzelte Prominente und Bürger

Ein Abhörskandal ungeahnten Ausmaßes erschüttert Italien. Auf Antrag der Mailänder Staatsanwaltschaft wurden am Mittwoch 20 Verdächtige festgenommen. Elf davon sind ehemalige Angehörige der Polizei und der Finanzwache.

Ihnen wird vorgeworfen, einen „parallelen Geheimdienst“ betrieben und „unter systematischer Verletzung verfassungsmäßiger Rechte“ über 100.000 illegale Dossiers angelegt zu haben. Zu den Spionageopfern gehörten Großindustrielle wie Diego della Valle, Gilberto Benetton und Carlo De Benedetti, Bankdirektoren wie Cesare Geronzi, Fußballer wie Bobo Vieri, aber auch Politiker und einfache Bürger.

Sicherheitschef lauscht

Hauptangeklagter ist der ehemalige Polizeioffizier Giuliano Tavaroli, ein enger Freund des unlängst festgenommenen Geheimdienst-Vizechefs Marco Mancini. Als Sicherheitsbeauftrager der Telecom Italia und Vertrauter des Konzernchefs Marco Tronchetti Provera soll Tavaroli für die illegale Abhörung tausender Telefongespräche verantwortlich sein. Die Angeklagten sollen Zugang zu den Datenbanken des Innenministeriums, der Finanzwache, der Carabinieri und der Geheimdienste gehabt haben. Die Tageszeitung La Repubblica bezeichnete den „Spionageskandal im Schatten der Telecom“ am Donnerstag als „Anschlag auf die Demokratie“.

Nach Überzeugung der ermittelnden Staatsanwälte sind einige der Angeklagten auch in andere Abhörskandale verwickelt – etwa den um die Entführung des Mailänder Imams Abu Omar durch die CIA sowie jenen um die illegale Abhörung der rechten Abgeordneten Alessandra Mussolini, der vor eineinhalb Jahren zum Rücktritt des damaligen Gesundheitsminister Francesco Storace geführt hatte. Die Staatsanwälte sprechen in ihrer Anklage von einem „gigantischen Netzwerk illegaler Tätigkeiten mit besten Beziehungen zu Geheimdienst und Polizei.“ (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2005)

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