Berghütten für dicke Brummer

  • Der Blacktail Plateau Drive im Yellowstone Nationalpark. Die Begegnung mit einem Büffel ist hier sehr wahrscheinlich.
    foto: www.nps.gov

    Der Blacktail Plateau Drive im Yellowstone Nationalpark. Die Begegnung mit einem Büffel ist hier sehr wahrscheinlich.

Mittels Wohnmobil lassen sich in amerikanischen Nationalparks Natur und Komfort ideal verbinden - wenn man die Campingplätze gut wählt

Es war bereits nach sieben Uhr abends, als wir Cody erreichten, und wir hatten mehr als zehn Stunden Autofahrt hinter uns. Doch in der nach Buffalo Bill benannten Westernstadt am Rande des Yellowstone-Nationalparks zu übernachten kam nicht infrage. "Cody ist ein Kaff", erklärte meine Tochter nach einem Blick aus dem Fenster unseres Wohnmobils, das wir in Denver gemietet hatten, und mein Schwiegervater wiederholte, dass er nie und nimmer auf einem der privaten Campingplätze übernachten würde, wo die Wohnwagen, dicht aneinandergereiht, an den Stromanschlüssen hängen, mit denen Fernseher und DVD-Spieler betrieben werden.

Auf der Suche

Also fuhren wir über eine abenteuerliche Bergstraße in den "Shoshone National Forest", einen jener Wälder, in denen die US-Bundesbehörden für den Naturschutz sorgen und zahlreiche idyllische Campingplätze betreiben. Der erste lag tief in einer schütter bewaldeten Mulde und wirkte ebenso deprimierend, wie dies sein Name "Dead Indian" suggerierte. Die Sonne ging unter, die Mägen knurrten, und dennoch fuhren wir weiter. Denn den richtigen Campingplatz zu finden war das Um und Auf dieser Reise.

Kurz vor acht Uhr erreichten wir den nächsten Platz, den wir uns erträumt hatten: ein dicht bewaldetes Flussufer mit einigen freien Stellplätzen, auf denen unser zehn Meter langes Ungetüm Platz fand. Ein freundlicher Pensionist als "Gastgeber", eine Feuerstätte fürs Lagerfeuer, ein kleiner Brunnen, Forellen, Rehe, eine sternenklare Nacht - eine amerikanische Idylle um zehn Dollar die Nacht, die der ehrliche Camper im Kuvert hinterlässt.

Hunderttausende Wohnwagen und Wohnmobile sind jeden Sommer auf Amerikas Straßen unterwegs, und die Nationalparks in Wyoming, Utah und Colorado sind besonders begehrt. Warum fanden wir an den schönsten Orten dennoch immer Platz, während die kommerziellen Campingplätze, an denen wir vorbeibrausten, meist voll waren? Weil beengte Swimmingpools, teure Bars und Disco-Lärm zum richtigen Urlaubserlebnis dazugehören?

Uns konnte es nur recht sein. Denn neben der Landschaft ist das dichte Netz idyllischer Campingplätze in den Nationalparks und -wäldern das Beste, was der US-Westen zu bieten hat. Sie sind sein Gegenstück zu unseren Berghütten - erreichbar allerdings nur auf vier Rädern.

Näher an der Natur

Wer sich nicht davor scheut, viele Tonnen zu steuern, kann diese Idylle mit einigem Komfort erleben. Denn Amerikas Wohnmobilhersteller kennen die Bedürfnisse ihrer Kunden - inklusive Toiletten, Dusche, großen Kühlschranks, Mikrowelle und Satellitenschüssel. Billiger als Übernachtungen in Hotels, Motels und Lodges ist es nicht. Dafür aber kommt man bei geschickter Auswahl der Campingplätze näher an die Natur heran.

Gelegentlich zu nahe: Die Warnungen vor Grizzlybären, die von herumliegendem Essen oder Toiletteartikeln angelockt werden, sind ernst gemeint, und der Büffel, der uns inmitten der Campinganlage von Yellowstone plötzlich gegenüberstand, erinnerte daran, dass Nationalparks anders sind als Disneyland - ebenso wie die Antilope, die auf einer dicht befahrenen Straße spazierte und eine halbe Stunde den Verkehr aufhielt.

Im Yellowstone- oder Zion-Nationalpark sind die Campingplätze in der Hochsaison voll und müssen reserviert werden. Anderswo ist man fast allein. Denn Platz hat der US-Westen im Überfluss.

Das merkt man auch an den großen Distanzen und stundenlangen Fahrten über oft schnurgerade Straßen. Zum Glück liegen dazwischen Bergstrecken mit spektakulären Ausblicken - etwa die 200 Kilometer lange "Route 12" im Süden Utahs zwischen den Nationalparks Bryce und Capitol Reef oder die "Route 550" durch die San-Juan-Berge im Westen Colorados, auf der wir drei Pässe mit mehr als 3000 Metern Seehöhe überquerten. Zumindest für den Fahrer wird der Wohnmobilurlaub in diesen Momenten auch zur sportlichen Herausforderung. (Eric Frey/Der Standard/Rondo/22.09.2006)

Anreise: Flug von Wien nach Denver
oder Salt Lake City (mit Austrian/United)
Wohnmobile: Zahlreiche Firmen vermieten
die RVs ("Recreational Vehicles") genannten
Fahrzeuge, i. e. Cruise America, Elmonterv, Moturis
Campingplätze: Siehe etwa
National Camping oder National Park Service
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