Ungereimtheiten bei Mobiltel-Übernahme

19. Oktober 2006, 14:37
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Bawag dürfte an bulgarischem Handybetreiber länger beteiligt gewesen sein als bisher bekannt

Wien - Der Standard-Bericht über die geringe Besicherung von Krediten des ehemaligen ÖVP-Obmannes und nunmehrigen Unternehmers Josef Taus bei der Bawag P.S.K. schlug hohe Wellen. Die Bawag stellte am Mittwoch in einer Aussendung fest, "dass sie es auf das schärfste verurteilt, dass es Informationen über diese Geschäftsverbindung in Medienberichten gibt, was dem Bankgeheimnis eindeutig widerspricht". Die Bawag sei stets um ein korrektes Verhältnis zu ihren Kunden bemüht.

Zum Inhalt nahm die Bank nicht Stellung: "Selbstverständlich tätigt die Bank keine Aussagen zu Geschäfts- und Kundenbeziehungen, die dem Bankgeheimnis widersprechen, und sorgt für entsprechende Disziplin in der Bank und in allen Organen. Die Bawag P.S.K. wird daher auch keine konkrete Stellungnahme zu der im Standard-Bericht enthaltenen Darstellung betreffend die Unternehmensgruppe abgeben." Die Bank betonte jedoch, "dass es sich um eine solide und langjährige Kundenbeziehung handelt und die Bawag P.S.K. gerne bereit ist, diese positive Geschäftsverbindung uneingeschränkt weiterzuführen."

Wie eng die Kundenbeziehungen zwischen Bawag, Taus sowie seinen Partnern Martin Schlaff und Herbert Cordt waren, zeigt sich am bulgarischen Handybetreiber Mobiltel. Schlüsselfrage bei dem 1,6 Mrd. Euro schweren Deal: Warum war die Bawag laut dem Börsenprospekt, den Mobiltel im Mai 2005 anlässlich publiziert hat, nicht mehr Mobiltel-Aktionär, während sie laut Insiderinformationen bis Mitte 2005 sehr wohl an Mobiltel beteiligt war - und zwar mit bis zu 30 Prozent.

In diesem Zeitraum hat sich der Kaufpreis von 785 Mio. Euro - für den die Bank ein Lombarddarlehen gegeben hat - verdoppelt. Widersprüchlich sind auch die Angaben über das tatsächliche Engagement des Josef Taus und der von ihm kontrollierten Management Trust Holding (MTH). Taus behauptete im Juli, nur Treuhänder für zehn Prozent gewesen zu sein, während er und seine MTH laut Insidern ursprünglich je 15 Prozent hielten.

Der Schnitt, den alle Beteiligten bei dem Geschäft 2005 gemacht haben, ist beachtlich: Die Telekom Austria, die Mobiltel 2003 um rund eine Milliarde kaufen wollte (von Hauptaktionär ÖIAG aber daran gehindert wurde), zahlte 1,6 Mrd. Euro. Damit hätte die Bawag geschätzte 245 Millionen Euro verdient - beträchtlich mehr als bisher angenommen; detto Taus und MTH mit ihren je 15 Prozent. Damit bleibt offen, wann ABN Amro, CVC und Konsorten (siehe Grafik) ihre 40 Prozent an Mobiltel erworben haben - und zu welchem Preis. (Alexandra Föderl-Schmid, Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2006)

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    grafik: mobiltel/standard
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