Neuer Fall heizt US-Folterdebatte an

3. Oktober 2006, 14:57
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In Syrien gefolterter Kanadier hatte nichts mit Terrorismus und Al-Kaida zu tun

Von einer Urlaubsreise in Tunesien wollte der in Syrien geborene Software-Techniker Maher Arar im Herbst 2002 in seine neue Heimat Kanada zurückkehren. Wegen Terrorverdachtes wurde er allerdings am New Yorker John F. Kennedy Airport von US-Behörden festgenommen und nach Syrien verfrachtet. Unter anderem die Royal Canadian Mounted Police hatte den USA zuvor eine Verbindung Arars zur Terrororganisation Al-Kaida bestätigt.

Einem Bericht kanadischer Behörden zufolge soll der kanadische Staatsbürger Arar in Syrien daraufhin gefoltert worden sein. Arar selbst behauptet, in Damaskus nahezu ein Jahr mit Foltermethoden (Schlagen, Peitschen mit Kabeln) intensivst "befragt" worden zu sein, bis er ein falsches Geständnis ablegte.

Nun sprachen die kanadischen Behörden Arar von jeglichem Verdacht frei. "Die US-Behörden haben Arar in einer sehr bedauerlichen Art und Weise behandelt", erklärte der kanadische Untersuchungsrichter Dennis O'Connor: "Sie haben ihn gegen seine Wünsche nach Syrien transportiert, trotz seiner Aussagen, dass er dort gefoltert werden würde. Dazu kommt, dass die USA mit den kanadischen Behörden in einer nicht gerade entgegenkommenden Weise zusammengearbeitet haben".

Der US-Justizminister Alberto Gonzalez reagierte auf den Bericht: "Herr Arar wurde anfangs festgehalten, da sein Name auf Terroristenlisten erschien; er wurde gemäß unserer Gesetze deportiert". Und er fügte hinzu, dass die USA sich in jedem Fall versichere, dass deportierte Personen in dem jeweiligen Empfangsland nicht gefoltert würden.

Sowohl die New York Times als auch die Washington Post prangerten das Verhalten der USA an. Der Fall Arar scheint für die derzeit in den USA tobende Diskussion über das Ausmaß von Folter mutmaßlicher Terroristen relevant, da er die Behauptungen von US-Präsident George W. Bush, man habe durch "alternative Befragungsmethoden" Anschläge verhindert, entkräftet. Bisher drehte sich die Debatte nur darum, ob Folter gerechtfertigt sei, um "amerikanische Leben zu retten". Nun könnte sie sich daraufhin ausweiten, ob Folter überhaupt zu nützlichen Informationen führt. (Susi Schneider aus New York, DER STANDARD, Print, 21.9.2006)

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    Die USA schoben Maher Arar nach Syrien ab, dort wurde er gefoltert.

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