Direktorenpoker: Tausche Willy gegen Willy

9. Oktober 2006, 16:59
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Um Jobs im ORF-Management feilschten die Parteien bis zuletzt - VP-Räte gingen Mittwochabend uneins mit sich und Wrabetz auseinander - Fix ist: Weiße Elefanten sind auf dem Küniglberg keine bedrohte Rasse

Stunden vor der Direktorenwahl hatte ORF-General Alexander Wrabetz noch einen Auftritt bei den die roten Stiftungsräten im Parlament. Der "Freundeskreis" der ÖVP tagte diesmal in der Wirtschaftskammer statt im Wirtshaus. Ohne Ergebnis, uneins.

Die Generalswahl im August berieten schwarze Stiftungsräte bis drei Uhr früh vor der entscheidenden Sitzung beim Wirten. Der rote Wrabetz machte das Rennen gegen VP-Kandidatin Monika Lindner.

Die Niederlage könnte sich wiederholen, wenn die 35 Stiftungsräte heute, Donnerstag, das Führungsteam von General Wrabetz wählen. Die VP verlor bei der Generalswahl weniger ob langer Beratungen, als dank einer Koalition aus Rot, Orange, Blau, Grün und Unabhängigen für Wrabetz, der die Hegemonie der Schwarzen über den Küniglberg einfach reichte.

Mitsche statt Haslitzer

Eine Neuauflage der Koalition gegen die ÖVP ist möglich. Aber kaum mit dem Kärntner Programmchef Willy Haslitzer als Radiodirektor. Doch die Position gehört laut Wrabetz Kärnten und damit Jörg Haider. Also Kärntens Landesdirektor Willy Mitsche nach Wien statt des anderen Willy. Was freilich Haiders Sprecher nachts dementierte.

Womöglich wieder ein BZÖ-interner Clinch wie bei der Generalswahl 2001? Bei der Generalswahl zog Haider damals den Kürzeren gegen Peter Westenthaler - aber dann Westenthaler bei der Direktorenbesetzung.

Die übrigen Positionen waren vor Wrabetz‘ Auftritt bei der ÖVP unverändert: Planer Wolfgang Lorenz (Programm), Sportchef Elmar Oberhauser (Info), Extechnikchef Peter Moosmann (Technik) und Marketingchef Thomas Prantner (Online). Dreamteams sehen anders aus.

Schwarzes Drohpotenzial

Der Stiftungsrat wählt zehn Tage vor einer Nationalratswahl, in der die ÖVP klar vorne liegt. Nach der Wahl kann sie ihr Gewicht im Stiftungsrat womöglich ausbauen und Wrabetz blockieren. Drohszenario einer VP-dominierten Regierung: Privatisierung von ORF 1 und/oder Ö3.

Die ÖVP reklamierte etwa Sissy Mayerhoffer als Kaufmännische Direktorin. Den umstrittenen TV-Chefredakteur Werner Mück als Onlinedirektor, was Wrabetz, ausschloss: Er erhielt auch dank des Widerstandes der ORF-Information gegen Mück erst die Chance, General zu werden. Mück könnte wie berichtet künftig Spartenkanäle führen.

Schwarze uneins

Mittwochabend sah es laut VP-Stiftungsräten nicht nach Unterstütztung von Wrabetz' Team aus. Also wackelte auch Mayerhoffer wieder. Die Bürgerlichen gingen spätabends uneins auseinander - untereinander und mit Wrabetz. Donnerstagfrüh "geht es weiter", sagte ein bürgerlicher Stiftungsrat dem STANDARD.

Die ÖVP probierte auch, Radiodirektor Kurt Rammerstorfer mit Direktorenjobs vor dem Status eines weißen Elefanten zu bewahren: So heißen gut dotierte Ausgedinge auf dem Küniglberg. Die Rasse erwartet Zuwachs: Salzburgs bürgerlicher Landesdirektor Hubert Nowak zum Beispiel soll nach Wien zurückkehren und den Umzug vom Küniglberg organisieren. (Harald Fidler, DER STANDARD, 21.9.2006)

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    Zuwachs: Weiße Elefanten

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