Rohstoffe als Sicherheitsnetz

8. Oktober 2006, 19:28
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Neben Öl und Metallen sorgen auch die so genannten "soft commodities" für einen Ausgleich im Portfolio, wenn die Aktienmärkte schwanken

Der große Aufschwung an den Aktienbörsen scheint fürs Erste vorbei zu sein. Umso wichtiger ist für Anleger daher, das Depot abzusichern. Eine Möglichkeit dazu ist die Diversifizierung in Anlagen, die mit den Kursen von Aktien oder Anleihen möglichst wenig korrelieren.

Rohstoffe eignen sich dazu sehr gut, wie die jüngere Historie zeigt. Gemessen am Rogers-International-Commodity-Index konnten Investoren die Baisse des Aktienmarktes in den Jahren 2001 bis 2003 durch Rohstoff-Investments zumindest ausgleichen und auch in den Folgejahren bescherte dieser Index eine positive Performance.

Mehr als nur Öl und Metalle

Beim Begriff Rohstoff-Index denken viele natürlich zunächst an Öl und Metalle. Diese beiden Rohstoffe waren schließlich die Preis-treiber in den vergangenen Jahren und sind in den populären Indizes hoch gewichtet. Im RICI-Index entfallen auf Energie 44 Prozent der Gewichtung, auf Metalle 21 Prozent. Doch auch Agrarprodukte sind mit rund 32 Prozent maßgeblich repräsentiert. Im Goldmann-Sachs-Commodity-Excess-Return-Index (GSCI) liegt das Schwergewicht sogar mit rund 72 Prozent auf dem Energiesektor, während Metalle mit 13 Prozent sowie Agrargüter (zehn Prozent) und Vieh den Rest ausmachen.

Einer der ältesten Rohstoff-Indices ist der RJ/CRB-Index. Er wird seit 1957 berechnet, derzeit auf der Basis von 19 verschiedenen Rohstoffen. Hier sind Öl und Gas mit 39 Prozent gewichtet, Metalle mit 18 Prozent sowie Agrarprodukte und Vieh mit 38 Prozent.

Wie in den Markt einsteigen?

Da Direktinvestments in die einzelnen Produkte praktisch nicht infrage kommen, bietet sich der Einstieg in diesen Sektor über eine Vielfalt von am Markt angebotenen Zertifikaten auf die einzelnen Rohstoffe an. Um wirklich einen genügenden Risikoausgleich zu erhalten, ist eine breite Streuung notwendig. Deshalb scheint ein Investment in einen Index für den durchschnittlichen Investor besser geeignet.

Und auch für die Indexvariante werden verschiedene Lösungen angeboten. Die ABN-Amro etwa bietet eine breite Produktpalette sowohl auf den RICI und dessen Subindizes als auch auf den GSCI-Index und den RJ/CRB- Index an. Anleger können je nach individueller Einschätzung der Lage auswählen bzw. mischen. Wer mit einem weiteren Anstieg der Ölpreise rechnet, wird mit GSCI-Zertifikaten gut bedient. Aber auch Short-Strategien, also Spekulationen auf fallende Rohstoffpreise, können mit so genannten Put-Zertifikaten dargestellt werden. Aber Achtung: Da die meisten Rohstoffe in Dollar notieren, muss auch das Währungsrisiko beachtet werden. Einige Zertifikattypen sind aber währungsneutral gestaltet.

Ein aktuelles Produkt, gerade bei unklaren Preistendenzen, bietet derzeit die RCB an: Das Bull-&-Bear-Rohstoff-Garantie-Zertifikat. Basis sind zu jeweils 20 Prozent die Metalle Kupfer, Zink, Aluminium und Nickel sowie Öl. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren erhalten Anleger bei einer positiven Preisentwicklung zumindest eine fixe Bonusrendite von 30 Prozent. An Kurssteigerungen darüber hinaus wird voll partizipiert. Liegt der Basket nach fünf Jahren unter dem Startwert, wird die Performance vom Bonuswert 130 abgezogen – bis maximal zum ursprünglich eingezahlten Kapital, denn das ist in jedem Fall garantiert.

Die Londoner Vermögensverwaltungsgesellschaft ETF Securities Ltd. bietet 29 neue börsengehandelte Rohstoffinvestments an. Damit können Anleger auf eine breite Palette von Rohstoffen setzen, von Schweinebäuchen bis Zink, ohne Terminkontrakte handeln zu müssen. "Rohstoffe bringen mehr Diversifizierung in ein Portfolio und locken ein recht breites Spektrum von Anlegern an", erklärt Hector McNeil, Leiter Marketing und Vertrieb von ETF Securities in einem Gespräch mit Bloomberg News.

Die so genannten Exchange-Traded-Commodities (ETCs) werden an der Londoner Börse gehandelt. Der Vermögensverwalter will 19 einzelne Rohstoff-ETCs sowie zehn Rohstoffkörbe anbieten, die die Dow-Jones-AIG-Commodity Indizes abbilden. Seit ihrer Auflegung in den Jahren 2004 und 2005 hat diese Art von Fonds Kapitalzuflüsse von zwei Mrd. Dollar erhalten. Weltweit seien bereits mehr als 14 Mrd. Dollar in ETCs investiert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2006)

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    Am Ende eines Bullenmarkts können "echte Viecher" das Depot retten.

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