Analyse: Private Banking gewinnt an Renommee

8. Oktober 2006, 19:28
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Die wachsende Mittelschicht ist für Privatbanken eine willkommene Klientel. Am österreichischen Markt sei noch viel Platz, geben sich private Banker zuversichtlich

Die österreichischen Privatbanken haben im Private Banking und Vermögensmanagement in den vergangenen Jahren international an Renommee gewonnen. Der Erfolg der Privatbanken beruht in erster Linie auf den individuellen Betreuungskonzepten, der offenen Produktarchitektur sowie der teilweise speziellen Eigentümerstruktur, die weit gehend frei von Einflüssen inländischer und ausländischer Finanzgruppen ist.

Als Alternative zu konventionellen Bankplätzen bietet Österreich zudem attraktive steuerliche Rahmenbedingungen für Investoren und Privatanleger. Zweifelsfrei ist Private Banking eine Wachstumsbranche – auch in Österreich: Laut Schätzungen der Erste Bank beläuft sich der Markt für Private Banking in Österreich auf etwa 70 Milliarden Euro. Jährlich soll der Markt zwischen fünf und zehn Prozent wachsen – damit über den europäischen Durchschnitt. Dementsprechend wird auch das Vermögen der "Affluents" (Wohlhabende, Anm.) weiter ansteigen.

Um diese wachsende Mittelschicht liefern sich die heimischen Player inzwischen einen harten Kampf, wobei einzelne Banken angesichts auskömmlicher Marktanteile gut positioniert sind. So kommen laut der weltweit tätigen Beratungsfirma Capgemini Privatbanken wie Constantia und die Bank Gutmann in Österreich auf einen Marktanteil von neun Prozent, die Schoellerbank auf acht Prozent, die Bank Privat auf sechs Prozent und das Bankhaus Carl Spängler auf fünf Prozent.

Individualität ist gefragt

Gemäß einer Umfrage unter zehn österreichischen Privatbanken ist festzustellen, dass die Individualität der Beratung bei allen Banken im Vordergrund steht. Die Privatkundschaft sei neuen Finanzprodukten gegenüber sehr aufgeschlossen. Daher werden die Portefeuilles der Kunden stärker mit alternativen Investments wie Hedgefonds, Rohstoffen und vereinzelt auch Private Equity angereichert.

Oft sind es auch die Kunden selbst, die ihren Berater auf alternative Produkte ansprechen. Private Equity wird nur vereinzelt nachgefragt bzw. angeboten. Dagegen gewinnen Hedgefonds und Rohstoffe zunehmend an Bedeutung – allerdings mit einer unterschiedlichen Akzentuierung: Während Constantia und die Raiffeisen LB den gesamten Bereich abdecken, bieten die Bank Gutmann, Kathrein und das Bankhaus Krentschker weit gehend nur Hedgefonds an – meistens in Form von Dachfonds. Neben Hedgefonds bieten die Institute ihrer Klientel verstärkt auch Immobilien an oder weisen auf die besondere Stärke in dieser Assetklasse hin. So können Kunden von Constantia ihre Exposure in dieser Anlageform über der von ihr gemanagten Immofinanz Immobilien Anlagen AG erwerben. Der Track- Record soll sich im Dreijahreszeitraum bei 13,4 Prozent bewegen. Auch struktuierte Produkte wie Zertifikate – häufig mit Kapitalgarantie und Bonusstruktur – befinden sich häufig in den Portfolios.

Offene Struktur

Generell werde laut Bankangaben den Kunden jeweils das beste Produkt offeriert – unabhängig davon, ob es von der Bank selbst stammt. Wenngleich sich alle Banken der offenen Produktpalette verschrieben haben, beläuft sich der Eigenanteil bei Banken wie bei der Raiffeisen LB Private Banking und der _Schoellerbank auf zirka 50:50. Bei anderen Instituten wie dem Bankhaus Spängler, Constantia oder Raiffeisen Centro ist der Eigenanteil mit 20 bis 30 Prozent eher gering.

Einige Häuser sind wie Spängler mit Principal Global Investors auch strategische Allianzen eingegangen, um bestimmte Assetkassen wie Preferred Securities abdecken zu können. Andere wiederum können nunmehr auch auf börsengehandelte Indexfonds zurückgreifen, wie etwa auf an der Wiener Börse gelistete Fonds vom größten europäischen Anbieter Indexchange.

Im Portfolio-Management hingegen verfolgen die meisten der befragten Banken einen Absolute-Return-Ansatz. Nur Gutmann, Raiffeisen Kleinwalsertal und Erste Bank Private Banking haben sich für den Core Satellite-Ansatz (der Großteil des Vermögens wird mit indexnahen Produkten oder Fonds abgedeckt, um die spezielle Produkte wie et-wa Emerging-Markets-Fonds gruppiert werden) entschieden. Bei Ersteren durchzieht der Ansatz die ganze Portfolio- Management-Struktur.

Spezialisten am Werk

Um den Kundennutzen zu optimieren, arbeitet Gutmann mit Spezialisten zusammen. Auch Kathrein kann auf ein Experten-Netzwerk (z.B. Fondsmanager) zurückgreifen – etwa durch eine Kooperation mit dem Investment-Haus Russell Investment Company. Andere Banken haben Produktpartnerschaften für bestimmte Themen wie Rohstoffe, Osteuropa oder bei BRIC-Produkten abgeschlossen.

Die Einstiegsgrenzen, also das Mindestvermögen, liegen im Schnitt bei 300.000 bis 500.000 Euro, wobei Kunden, deren Vermögensverwaltung auch auf Einzeltitelbasis beruht, durchaus mehr als eine Million Euro mitbringen müssen. Ausnahme ist die Schoellerbank, bei der die Einstiegsgrenze bei 70.000 Euro liegt. Bei Spängler und Krentschker zählen Kunden mit einem Vermögen ab 100.000 Euro zur Klientel.

Mehr Dienstleistungen

Durch einen hohen Grad an Dienstleistungen wie etwa die Beratung bei Nachfolgeregelungen und Stiftungsgründungen (Kathrein & Co) sowie die Kombination aus Investmentbank und Vermögensverwaltung (Raiffeisen Centro, Spängler), versuchen die Privatbanken, sich von ihren Mitbewerbern deutlich zu unterscheiden. (Karl-Heinz Goedeckemeyer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2006)

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    Genau unter die Lupe nehmen Privatbanken die Chancen, für ihre Kunden Geld individuell zu veranlagen.

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