EZB gegen Monopolstruktur im europäischen Bankkarten-Markt

5. Oktober 2006, 18:41
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Tumpel-Gugerell: Neben Visa und Mastercard soll wenigstens ein weiterer großer Anbieter entstehen

Frankfurt - Die Vereinheitlichung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in Europa darf nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht zu einer beherrschenden Marktstellung der Kartengesellschaften Visa und Mastercard führen.

Ab 2008 sollen die Kunden in einem einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum (SEPA) Kartenzahlungen, Überweisungen oder Bankeinzug europaweit genauso einfach, sicher und günstig erledigen können wie heute in ihren jeweiligen Heimatländern. EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell warnte am Mittwoch auf einer Fachkonferenz in Paris mit Blick auf Kredit- und Debitkarten: "Um es ausdrücklich zu sagen: SEPA sollte nicht zu einer quasi-monopolistischen Situation am Kartenmarkt führen." Die Kartensysteme Visa und Mastercard spielten fraglos eine wichtige Rolle im Euro-Raum. Doch halte die EZB den Aufbau mindestens eines weiteren europaweiten Systems aus bestehenden nationalen Anbietern für notwendig.

Drei Optionen

Die Bedenken der EZB richten sich vor allem gegen eine von drei Optionen, die die Banken zur künftigen Struktur im Kartenmarkt in Betracht ziehen: Der europäische Zahlungsverkehrsausschuss (EPC), ein eigens zum Aufbau von SEPA gegründetes Gremium der Kreditwirtschaft, schlägt vor, die heutigen nationalen Kartenanbieter durch die internationalen Systeme - also in erster Linie Visa und Mastercard - zu ersetzen. Dies würde aber die Wahlmöglichkeiten von Kunden, Händlern und Banken einschränken, kritisierte Tumpel-Gugerell.

Auch eine andere Möglichkeit, das so genannte Co-Branding, hält das für Zahlungsverkehr verantwortliche Direktoriumsmitglied für keine ideale Lösung. Dabei würden nationale mit den großen internationalen Kartengesellschaften zusammenarbeiten - so wie es heute schon der Fall ist, wenn Zahlungen mit einer EC-Maestro-Karte im Ausland von Mastercard verrechnet werden. Das würde die Zersplitterung des Kartenmarktes zementieren. "Ich erwarte von der Bankenindustrie, dass sie pan-europäische Systeme entwickelt, die sich auf den gesamten Zahlungsverkehrsraum erstrecken", forderte Tumpel-Gugerell, die ehemalige Vizegouverneurin der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Diesen Ansatz, also Allianzen bestehender nationaler Kartensysteme, hatte der EPC ebenfalls angeregt. Bisher sei die Zusammenarbeit von Deutschland, Spanien, Großbritannien, Portugal und Italien die einzige Initiative in dieser Richtung, sagte Tumpel-Gugerell. Andere sollten diesem Beispiel folgen. Die Kooperation der Kartengesellschaften aus diesen Ländern zielt darauf ab, dass EC-Karten in diesen Ländern eine breitere Akzeptanz finden, etwa in Geschäften und Restaurants. (APA/Reuters)

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