Infineon: "Flexi" bei Löhnen, aber ohne Kaufkraftverlust

10. Oktober 2006, 15:12
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Finanzchefin Monika Kircher-Kohl will wohl mehr erfolgsabhängige Komponenten bei Löhnen, aber so transparent, dass jeder Einzelne weiß, woran er gemessen wird

Wien - "Die alte Formel ist nicht ganz falsch." Monika Kircher-Kohl, Finanzchefin des Halbleiterherstellers Infineon in Österreich, plädiert vehement für die Einführung erfolgsabhängiger Lohn- und Gehaltskomponenten, hält aber nichts von einer reinen Inflationsabgeltung ohne Berücksichtigung des Produktivitätszuwachses. Schon gar nicht von einer Reduzierung der jährlichen Kollektivvertragserhöhungen (KV) auf die so genannte Kerninflation, also Teuerung exklusive Energiepreissteigerung, wie das manche Industrielle fordern.

"Die Kaufkrafterhaltung ist wichtig", stellte die frühere Villacher Vizebürgermeisterin und Finanzstadträtin (SPÖ) am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten fest. Erfolgsabhängige Gehaltskomponenten müsse es zusätzlich geben und zwar für alle Beschäftigten. Das allerdings nach klar definierten, transparenten Kriterien. "Jeder Einzelne muss wissen, woran er gemessen wird", sagt Kircher-Kohl, die nichts davon hält, "einzelne Unternehmenskennziffern mit der Gewerkschaft öffentlich zu diskutieren" oder alle über einen Kamm zu scheren und den Erfolg von Kennzahlen abhängig zu machen, die der "einzelne Mitarbeiter gar nicht beeinflussen kann".

Bei den 2700 Infineon-Beschäftigten in Österreich sind nur die Gagen der rund 250-köpfigen Führungsriege gestaffelt bis zu 40 Prozent erfolgsabhängig. Der große Rest der Mannschaft bekommt über eine jüngst abgeschlossene Betriebsvereinbarung mindestens drei bis fünf Prozent des Gehalts erfolgsabhängig ausgezahlt. Mittelfristig soll der Flex-Anteil fünf Prozent betragen, sagt die Managerin.

Mithalten mit den Wachstumsmärkten in Asien kann der Weltmarktführer bei Leistungschips laut Kircher-Kohl in Europa nur über Innovation: "Das ist die einzige Chance." Dafür brauche man aber unbedingt "komplett andere Spielregeln in Bildung, Forschungssystem und vor allem eine neue Infrastruktur", denn nur wer hier mehr investiere, habe ein höheres Wirtschaftswachstum; das belegten Analysen der Wirtschaftsforscher. Mangels qualifizierter Techniker könne Infineon hundert Stellen nicht besetzen.

Technologisch setzt der 1999 über die Börse verkaufte Siemens-Ableger voll auf die Verbesserung der Energieeffizienz in elektronischen Geräten durch "Energiesparchips". Über verpflichtende Energie-Mindeststandards könne Europa deutlich Energie sparen - und profitieren. Der weltweite Stromverbrauch ließe sich durch Steuerchips um 30 Prozent senken, bei TV-Geräten gar um 90 Prozent, wenn der Standby-Betrieb sparsamer gestaltet würde. Viel Sparpotenzial gäbe es bei Notebooks. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2006)

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Infineon
  • Will Mitarbeiter verstärkt auch nach Leistung bezahlen, mit der Gewerkschaft aber nicht einzelne Gewinnziffern diskutieren: Infineon-Finanzchefin Monika Kircher-Kohl.
    foto: standard/andy urban

    Will Mitarbeiter verstärkt auch nach Leistung bezahlen, mit der Gewerkschaft aber nicht einzelne Gewinnziffern diskutieren: Infineon-Finanzchefin Monika Kircher-Kohl.

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