Europäer sehen eher Ukraine als Türkei in der EU - bis 2020

4. Oktober 2006, 13:23
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Umfrage der Bertelsmann Stiftung - Mehrheit erwartet zwar Erweiterung, aber keine schnellen neuen Beitritte

Gütersloh/Brüssel - Die Europäer sehen eher die Ukraine als die Türkei als künftiges Mitglied in der Europäischen Union. Allerdings glaubt eine Mehrheit mit Ausnahme der Briten und der Niederländer nicht, dass eines der beiden Länder schon bis 2020 der EU beitritt. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Bertelsmann Stiftung hervor. In Österreich sind 84 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass die EU auch nach der Aufnahme von Rumänien und Bulgarien weiter wachsen wird.

35 Prozent erwarten Türkei-Mitgliedschaft bis 2020

Die Türkei als Vollmitglied der EU bis zum Jahr 2020 können sich 35 Prozent der Befragten vorstellen. Demgegenüber erklärten 37 Prozent, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt einen Vollbeitritt der Ukraine zur Union erwarten. In Österreich rechnen 34 Prozent mit der Türkei als künftiges EU-Mitglied, 35 Prozent sehen die Ukraine mittelfristig in der Gemeinschaft. Während die EU bereits seit 2005 mit Ankara über einen Beitritt verhandelt, hat die Union der Ukraine bisher jegliche Beitrittsperspektive verwehrt.

In allen EU-Staaten erwarten gut zwei Drittel der Bevölkerung oder mehr, dass die EU-Erweiterung nach der für 2007 vorgesehenen Aufnahme von Rumänien und Bulgarien anhält. Unklar ist den Europäern dabei aber offenbar, wohin die Reise geht. Denn bei konkreter Frage nach einen Beitritt der Türkei, sind nur Briten und Niederländer mehrheitlich der Ansicht, dass das Land in 14 Jahren zur EU gehört. Nur in Großbritannien glaubt eine Mehrheit zudem, dass auch die Ukraine bis dahin zur Gemeinschaft stößt.

Jüngere auf weiteres Wachstum eingestellt

Vor allem die jüngere Generation in Europa sei auf ein weiteres Wachsen der Europäischen Union eingestellt, heißt es in der Studie. Während sich Polen und Slowaken keinen Rückschritt oder Zerfall der EU vorstellen können, erwartet in Finnland jeder Fünfte, dass die EU 2020 kleiner sein wird als heute.

Von den Zuständigkeiten der Union hält eine Mehrheit (54 Prozent) nur eine gemeinsame Wirtschaftspolitik der Europäer in den nächsten 14 Jahren für realisierbar. Die Schaffung einer EU-Sozialpolitik oder eine gemeinsame europäische Armee erscheint lediglich 39 Prozent bzw. 35 Prozent der Befragten wahrscheinlich. In Österreich glaubten nur 28 Prozent der Befragten an eine gemeinsame Sozialpolitik, 31 Prozent an eine EU-Armee.

41 Prozent erwarten EU-Verfassung

40 Prozent der Befragten glauben übrigens, dass die europäische Integration auf Basis einer gemeinsamen EU-Verfassung fortgesetzt wird. Nur ein Viertel ist der Ansicht, dass lediglich die bestehenden Verträge angepasst würden. 15 Prozent der Befragten erwarten gar keine Änderungen. Auch in Österreich glauben 41 Prozent an die EU-Verfassung.

Für die Umfrage wurden 12.000 Personen in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Litauen, den Niederlanden, Österreich, Polen, der Slowakei, Spanien und Ungarn zwischen dem 1. August und dem 4. September vom Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid befragt. (APA)

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