Zentraleuropa-Index NTX mit gedämpfter Entwicklung

10. Oktober 2006, 13:49
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bwin fiel Anfang dieser Woche wegen zu geringer Marktkapitalisierung aus dem Index - Auch Flughafen Wien und polnischer Gasversorger PGNiG gestrichen

Wien - Der Zentraleuropa-Index NTX (New Europe Blue Chip Index), der im September 2005 ins Leben gerufen wurde, hat ein bewegtes erstes Jahr hinter sich. Nach einem sehr guten Start vor genau einem Jahr hat der neue Mittelosteuropa-Index in den vergangenen Monaten herbe Rückschläge erlitten. "Das war nicht gerade das, was man einem Neugeborenen wünscht", sagte der Osteuropa-Experte der Erste Bank, Henning Eßkuchen, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Das internationale Börsenumfeld habe zwar starke Kurskorrekturen erwarten lassen - "doch waren diese zuletzt stärker als fundamental gerechtfertigt", ist der Leiter der Ostaktien-Analyseabteilung überzeugt. Nach einem Jahr liegt der New Europe Blue Chip Index nun mit rund 4,8 Prozent im Plus. "Bis Jahresende sollten wir uns keine Performance-Wunder erwarten", so Eßkuchen. Jede Bombe, die im Irak explodiert, habe auch Auswirkungen auf die NTX-Märkte.

Bwin nicht mehr gelistet

Nach der jüngsten Evaluierung sind die Aktien des heimischen Wettanbieters bwin nicht mehr im NTX gelistet. Dieser Schritt habe aber nichts mit der Handelsaussetzung infolge der Verhaftung der beiden Unternehmenschefs vom vergangenen Freitag zu tun. "Der Wert hat die NTX-Kriterien einfach nicht mehr erfüllt", erklärt Ronald Nemec von der Erste Bank. Der Börsenwert von bwin war zuletzt zu gering - ebenso jener des Flughafen Wien und des polnischen Energieversorgers PGNiG. In den NTX aufgenommen wurden die heimische Andritz, die rumänische BRD-Gruppe SG und die rumänische Banca Transilvania. Somit sind im NTX nur noch 10 österreichische Werte abgebildet, zum Start waren es 13. Das zwischenzeitlich erreichte Kursplus von über 19 Prozent auf 1.760,25 Punkte ist infolge der scharfen Korrektur Mitte Juni weggeschmolzen.

Der NTX fasst die größten börsenotierten Unternehmen Zentral- und Osteuropas (CEE) zusammen. Der Zentraleuropa-Index bildet 30 milliardenschwere Aktien aus sieben Ländern, inklusive Österreich, ab. Russland und die Türkei sind nicht vertreten, "da sie vom Risiko und von der politischen Situation her nicht in einen Osteuropa-Index passen", so Nemec. Eckdaten wie Marktkapitalisierung und Streubesitzanteil werden laufend überprüft und der Index entsprechend angepasst. Zusätzlich gibt es im NTX Länder-Deckelungen. So darf etwa Österreich maximal 40 Prozent der Marktkapitalisierung stellen.

Weiterhin optimitisch

Insgesamt sind die Wertpapierspezialisten der Erste Bank für die Region Mittelosteuropa weiterhin optimistisch. Wenn auch für das laufende Jahr 2006 hauptsächlich Seitwärtsbewegungen an den Börsen zu erwarten seien. Das große Plus der Märkte sei "das einzigartige Szenario, dem zufolge die Konvergenzländer Mittelosteuropas in etwa die selben Wachstumsmöglichkeiten bieten wie die Emerging Markets, jedoch ohne deren Risiko in sich zu bergen". Die EU-Beitritts-Fantasie sollte das Gesamtrisiko erheblich reduzieren.

Auch in puncto Verschuldungssituation stünden die osteuropäischen Unternehmen wesentlich besser da als die westeuropäischen, verglich Eßkuchen etwa Telekom-Werte mit der Deutschen Telekom. "Hier liegt einiges Geld", so Eßkuchen. Auch die Wachstumschancen seien "nach wie vor sehr stark". Die Aktien-Experten der Erste Bank schichten in der Region von Rohstoff getriebenen Werten wie Erdöl in Richtung defensive Werte wie Banken und Versicherungen um.

Einziges Sorgenkind ist Ungarn, das volkswirtschaftlich noch einiges aufzuräumen habe: "Es war seit mehreren Jahr klar, dass etwas passieren muss; dass das mit Ausschreitungen einhergeht, ist aber unerfreulich", verwies Eßkuchen etwa auf das jahrelange hohe Zwillingsdefizit (Budget- und Leistungsbilanz). Die ungarischen NTX-Werte haben in den vergangenen zwölf Monaten stark verloren. Doch: "Ungarn ist nicht Thailand, deshalb wird es eher seitwärts gehen", glaubt der Erste-Bank-Experte. "Polen ist derzeit unser Liebling, der interessanteste Gewinner war Bulgarien", so Eßkuchen. (APA)

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