Genreis ist bei Billa aufgetaucht

23. November 2006, 17:08
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Insgesamt drei Lebensmittelprodukte, bei denen gentechnisch veränderte Organismen festgestellt wurden, sind bisher in Österreich gefunden worden

Wien – Nun ist gentechnisch veränderter Reis auch in Österreich aufgetaucht, und zwar bei den Lebensmittelketten der Rewe Austria Group, Billa, Merkur und Penny. Es handelt sich dabei um zwei Reissorten, und zwar des Lieferanten "Van Sillevoldt" sowie der Quality-First-Langkorn-Wildreis-Mischung des Lieferanten "Transimpex".

Rewe hat sofort begonnen, die betroffenen Chargen aus dem Sortiment herauszunehmen und behält sich rechtliche Schritte gegen die Lieferanten vor. Diese müssen schließlich schriftliche Bestätigungen vorlegen, dass die US-Produkte beim Import auf GVO-Freiheit getestet wurden. Bei der dritten positiven Probe handelt es sich um chinesische Reisnudeln der Marke "Vermicelli" des Importeurs Heuschen+Schrouff.

Wie in Deutschland auch, sind die Reissorten mit dem GVO-Konstrukt LL601 versetzt, einer Herbizid-resistenten Züchtung, die, wie der Standard bereits berichtete, deshalb nicht auftauchten dürfte, weil die Firma Bayer diese Züchtung vor vier Jahren nur bis zum Versuchsstadium führte, den LL601 nicht auf den Markt brachte und deshalb die notwendigen behördlichen Risikobewertungen erst gar nicht beantragt hat.

Weil aber Reis mit LL601-Vermischung tonnenweise nach Europa importiert wurde (bzw. Schiffe vor EU-Häfen auf ihre Löschung warten), hat sich zwischenzeitlich die europäische Lebensmittelbehörde Efsa damit beschäftigt und Ende letzter Woche eine knieweiche Einschätzung gegeben: "Für eine befriedigende Risikobewertung gibt es nicht genug Daten", so die Efsa. "Es ist aber unwahrscheinlich, dass es zu einem unmittelbaren Risiko für Mensch oder Tier komme."

"Keine Erklärung"

Beim Chemiekonzern Bayer hat man auch keine Erklärung dazu, wie es zu einer Freisetzung des Genreis kommen konnte. Bei der Untersuchung des US-Landwirtschaftsministeriums „kooperiere man eng mit den Behörden“, so Annette Josten von Bayer zum Standard. Die US-Farmer, die nun aber behaupten, ihren Langkornreis in gutem Glauben gentechnikfrei exportiert zu haben, haben schon eine Sammelklage an Bayer angekündigt.

Dubios auch der Hintergrund der dritten Gen-Probe, der Reisnudeln aus China. Diese wurden am Wiener Naschmarkt entdeckt und weisen GVO-Spuren einer Entwicklung namens BT63 auf. Entwickelt wurde der BT63, für den es ebenfalls keine europäischen oder US-Behördengenehmigungen gibt, in China von der Huangzhong Agricultural University in Wuhan, Provinz Hubei. Trotzdem ist laut Greenpeace-Experten Steffen Nichtenberger der BT63 bereits in US-Kindernahrung des Nahrungsmittelkonzerns Heinz aufgetaucht.

Bei der in Österreich zuständigen Lebensmittelbehörde Ages ist man währenddessen fieberhaft dabei, alle Proben abzuarbeiten, die zu Reis in Österreich gezogen wurden. Erst ein Drittel der rund 150 Proben sind analysiert, so Rupert Hochegger, der zuständige Ages-Abteilungsleiter. Diese Produktproben wurden letzte Woche quer durch Österreich eingesammelt, nachdem in Deutschland, Frankreich und der Schweiz dieser Genreis LL601 in Vermischung mit normalem Reis aufgetaucht war.

Räumlich von anderen Nahrungsmitteluntersuchungen getrennt – es darf ja zu keiner Vermischung kommen – testet die Ages dabei die Reisproben in einem mehrstufigen aufwändigen Verfahren. Zuerst wird das Produkt fein gemahlen, dann mit Chemikalien versetzt und dann versucht, "das DNA-Insert zu isolieren, das in der Natur nicht vorkommt", so der Mikrobiologe und Genetiker.

Dazu bedient sich die Ages "Referenzmaterials". Das heißt, in einem Kühlschrank des Ages-Labors lagern bei minus 20 Grad vermahlene Proben all der gentechnisch veränderten Produkte, mit denen die europäischen Lebensmittelbehörden bis dato konfrontiert worden sind. Es sind dies an die 150 Proben. U-Boote, wie sie der LL601 und der BT 63 darstellen, sind von vorneherein nicht dabei. Die müssen erst aufgestellt werden. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2006)

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    foto: standard/christian fischer
  • Rund hundert Reisproben aus dem heimischen Handel warten bei der Nahrungsmittelagentur Ages noch auf ihre Analyse. Unter den 50 untersuchten Proben fand Ages-Experte Rupert Hochegger drei mit GVO-Vermischung.
    foto: standard/christian fischer

    Rund hundert Reisproben aus dem heimischen Handel warten bei der Nahrungsmittelagentur Ages noch auf ihre Analyse. Unter den 50 untersuchten Proben fand Ages-Experte Rupert Hochegger drei mit GVO-Vermischung.

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