Bankräuber schossen auf Verfolger

9. Oktober 2006, 20:18
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Räuber zielten auf Radfahrer, der sie verfolgte und ihnen gefährlich nahe gekommen ist - Kugel traf ein geparktes Auto

Weil er ihnen gefährlich nahe gekommen ist, schossen zwei Bankräuber in Wien auf einen Zeugen. Die Zahl der Überfälle könnte einen neuen Rekordwert erreichen.

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Wien - "Das hätte auf jeden Fall schlimm ausgehen können", ist Gerhard Winkler von der Wiener Kriminaldirektion 1 am Mittwochnachmittag noch immer betroffen. "So etwas haben wir schon lange nicht mehr gehabt, das ist untypisch", schätzt er die Vorfälle, die sich wenige Stunden zuvor in der Millergasse im Wiener Gemeindebezirk Mariahilf ereignet haben, ein. Zwei Bankräuber hatten auf einen Zeugen geschossen, eine Kugel durchschlug dabei ein parkendes Auto. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Radfahrer nahm die Verfolgung auf

Begonnen hatten die beiden bewaffneten Täter ihren Coup nach Plan. Während einer das Foyer sicherte, verlangte der andere gegen 8.45 Uhr in einer Filiale der Erste Bank auf der Mariahilfer Straße mit dem Wort "Überfall" Geld. Offenbar ging es ihm zu langsam, und er griff selbst in die Kassenlade. Als sie zurück auf die belebte Geschäftsstraße liefen, hatten sie einen Teil der Beute noch lose in der Hand. Ein Radfahrer nahm die Verfolgung auf.

Verdammt nahe

"Dabei dürfte er ihnen schon verdammt nahe gekommen sein", mutmaßt Winkler. Denn als die Bankräuber ihr Fluchtauto in der nahen Millergasse erreicht hatten und los gefahren waren, bemerkten sie den Zeugen. Der Wagen hielt kurz an, der Beifahrer hob seine Waffe und schoss auf den Verfolger. Der wurde nicht getroffen, das Projektil durchschlug aber Front- und Heckscheibe eines geparkten Wagens. Es folgte eine Großfahndung der Polizei, bei der das verlassene Fluchtfahrzeug der beiden 20 bis 30 Jahre alten Täter entdeckt wurde.

Ein Überfall pro Woche

Mit dem Coup in der Mariahilfer Straße nähert sich die Zahl der Banküberfälle in Wien wieder der 50er-Marke, ein Raub fehlt dafür noch. Besonders seit März nahm die Deliktshäufigkeit zu: Im Schnitt auf über einen Überfall pro Woche. Zieht man in Betracht, dass in den Wochen vor Weihnachten besonders viele Täter aktiv werden, drohen heuer über 70 Fälle. Und damit die ohnehin hohen Werte der vergangenen beiden Jahre übertroffen werden.

Banküberwachung

Und das, obwohl Banken und Exekutive eigentlich verstärkt zusammenarbeiten, wie Wolfgang Steinbach vom Landespolizeikommando betont. "Wir treffen uns halbjährlich mit den Vertretern der Bankbranche, analysieren die Entwicklung und vergangene Fälle, um Verbesserungsmöglichkeiten zu entdecken." Dazu gibt es auch ein Banküberwachungskonzept in verschieden starker Abstufung, das von erhöhter Streifentätigkeit bis hin zu Zivilpolizisten vor den Instituten geht.

Chance bei 50 Prozent

Genützt hat das System bisher wenig - zumindest bei der Abschreckung. Bei der Klärung liegt die Chance für den Täter, davon zu kommen, heuer bisher bei knapp 50 Prozent. Steinbach ist aber zuversichtlich, in den nächsten Jahren durch bessere technische Ausstattung der Banken und bauliche Veränderungen (wie beispielsweise offene Schalterhallen, in denen Räuber nicht sofort wissen, wo das Geld zu holen ist) die Deliktzahl wieder sinkt. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 21.9.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Kugel der Räuber blieb in einem parkendem Fahrzeug stecken

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