Konzern setzt auf Erdgas als Treibstoff

5. Oktober 2006, 16:16
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Mittelfristig bis zu zehn Prozent Marktanteil gesehen - Ziel sind 50.000 Erdgas-betriebene Autos in Österreich bis 2010

Wien - Die OMV, größter Öl- und Gaskonzern in Zentraleuropa, will das Geschäft mit Erdgas ausbauen. In Zukunft soll das im Vergleich zu Benzin und Diesel weniger umweltschädliche Erdgas auch vermehrt den Weg in die Autotanks finden.

"Ziel sind 50.000 Autos, die 2010 in Österreich mit Erdgas unterwegs sind", sagte Peter Seidinger von der OMV Gas am Dienstag bei einem vom Institute for International Research veranstalteten Kongress. Derzeit seien in Österreich 710 Fahrzeuge auf Erdgasbasis unterwegs. Seidlinger: "Die Fahrzeughalter kennen wir fast alle persönlich."

Während es in den Niederlanden und Italien schon seit vielen Jahren ein flächendeckendes Netz von Gastankstellen gibt und auch Deutschland zuletzt stark aufgeholt hat, müssen entsprechende Einrichtungen in Österreich zur Zeit noch mit der Lupe gesucht werden. Zwischen Bodensee und Neusiedler See gibt es aktuell 34 öffentliche Erdgastankstellen - vorwiegend in Ballungszentren. Bis zum Jahr 2010 soll sich die Zahl der Gastankstellen in Österreich auf rund 200 erhöhen, 80 bis 100 davon will die OMV errichten. Mittelfristig könnte Erdgas dann einen Marktanteil von fünf bis zehn Prozent erreichen, zu Lasten vor allem des Diesel.

Für Flüssiggas (LNG; Liquified Natural Gas) sieht man bei der OMV generell ein großes Potenzial. Die Kosten für das Verflüssigen von Erdgas, den Transport per Schiff und das erneute Verdampfen zur Einspeisung ins Pipelinenetz seien in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Allein in Europa stehen derzeit nach Angaben von Seidinger rund 30 Mio. Tonnen an LNG zur Verfügung - Flüssiggas, das vorwiegend aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika per Schiff an die Gestade Europas gelangt. Wird auch nur ein Teil der derzeit bestehenden Projekte für Flüssiggasterminals realisiert, könnte sich die in Europa zur Verfügung stehende Menge an LNG auf mehr als 120 Mio. Tonnen im Jahr vervierfachen.

LNG-Terminal

Die OMV selbst will, wie berichtet, in einem Konsortium mit anderen großen europäischen Gasfirmen ein LNG-Terminal auf der kroatischen Insel Krk bauen. Diese wird etwa 500 Mio. Euro kosten. Von diesem aus soll ab 2011 Gas in die umliegenden Länder verkauft werden.

In Österreich selbst will die OMV bis 2010 die Gasförderung von derzeit 1,2 Mio. m3 auf 2,0 Mrd. m3 erhöhen. nach 70 Mio. Euro im Vorjahr und 100 Mio. heuer sollen im kommenden Jahr rund 200 Mio. Euro in Explorationstätigkeiten in Österreich fließen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.9.2006)

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