Das Schwarze Kameel wird süß erweitert

8. Jänner 2007, 16:38
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Das Wiener Traditionslokal erhält eine neue Patisserie und ein Küchenschaufenster

Wien - Wenn ein Lokal seit 388 Jahren besteht, dann strahlt das eine gewisse abgeklärte Entschleunigung aus. Da hat man Zeit und einen langen Atem. Schließlich war es schon 1618, dass ein gewisser Johann Babtist Cameel ein schon damals traditionsreiches Haus in der Wiener Innenstadt erwarb, darin eine Gewürzhandlung einrichtete und diese sinnigerweise "zum schwarzen Kameel" nannte.

Was sind im Vergleich dazu schon ein paar Tage - oder ein Jahr. "Es dauert ein wenig länger", so der nunmehrige Besitzer Peter Friese entspannt im Standard-Gespräch.

Kein Zoo

Von dem, was derzeit im Häuserblock am Grabenende gebaut, erweitert und verbessert wird, soll die erste Neuerung in etwa drei Wochen zu sehen sein - und zwar für all jene, die durch die Naglergasse flanieren: Fand bisher das Werken von Küchenchef Christian Domschitz und seinem Team milchglasig verborgen statt, so werden sie künftig hinter einem Schaufenster tätig sein. "Aber das soll kein Reinglotzen wie im Zoo sein; wir werden auch unsere Produkte oder auch Küchenutensilien dort ausstellen", so Friese. Vorerst aber müsse noch das Glas aushärten.

In der Folge wird die gaumenfreudige Mischung von Delikatessen, Buffet und Restaurant auch in der Bognergasse erweitert: Auf Nummer 7 wurde ein ehemaliger Friseurladen übernommen und in ihm soll eine neue Patisserie eingerichtet werden. In diesem Fall sind es aber keine baulichen Fristen, die vor der geplanten Eröffnung stehen - das einzige Kriterium ist vielmehr die Qualität des Feilgebotenen, um die Süßwaren-Kompetenz auszubauen.

"Keine Wiener Normalgeschichte"

"Wir experimentieren die ganze Zeit - ich halte schon den ganzen Tag Diät, damit ich das aushalte", lacht Friese und bietet sogleich eine mit Passionsfrucht veredelte Makrone an. "Das ist nur eine Idee, in welche Richtung das gehen soll. Es soll eine Freude und ein Vergnügen sein und keine Kalorienbombe, keine Wiener Normalgeschichte." Und erst wenn zehn derartige Topprodukte fertig kreiert sind, wird die Patisserie eröffnet.

Ein weiteres Projekt hingegen wurde vorerst verschoben: Die Adaption des so genannten Clubraumes. Denn das ins Auge gefasste Interieur des ehemaligen Patentamtes hatte denn doch nicht ganz gepasst.

Friese hat jedenfalls Zeit und setzt sich nur ein Limit: "Zur 400-Jahr-Feier möchte ich meine kleinen Schmuckkästchen schon fertig haben." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 20.09.2006)

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Kameel.at
  • Seit 388 Jahren bietet das Schwarze Kameel seine Waren feil
    fotos: standard/regine hendrich

    Seit 388 Jahren bietet das Schwarze Kameel seine Waren feil

  • Für die neue Patisserie wird täglich in der Experimentierküche getüftelt

    Für die neue Patisserie wird täglich in der Experimentierküche getüftelt

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