Genre "Schwedenkrimi" boomt jetzt wieder

8. Oktober 2006, 20:40
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Die Vorstellungen eines liberalen und schön multikulturellen Schwedens hat im Vorjahr Leif GW Persson in seinem gewaltigen Sittengemälde Zwischen der Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters zum Einsturz gebracht. Er setzt damit eine system- und gesellschaftskritische Tradition der schwedischen Kriminalliteratur fort, die das legendäre Autorenduo Per Wahlöö und Maj Sjöwall in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts begründet hat. Das Genre "Schwedenkrimi" boomt jetzt wieder.

Im Sog von Erfolgsautoren wie Liza Marklund (Der rote Wolf) oder Henning Mankell wechseln der Reihe nach Schriftsteller aus dem so genannten belletristischen ins Krimifach, weil die Maxime gilt: Am Verbrechen lässt sich der Zustand eines Landes gut ableiten.

Dabei schlägt der grassierende Rechtsradikalismus nicht nur einem Kommissar Wallander (Mankell) ins Gesicht (Mörder ohne Gesicht). Eine besonders pessimistische Bestandsaufnahme der schwedischen Gesellschaft liefert auch Mats Wahl in dem als Jugendbuch gehandelten Krimi Kill: Wo der Staat aufhört, fängt das Faustrecht an. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2006)

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