Proteste gegen Verkauf eines Berges

5. Oktober 2006, 18:40
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Der geplante Verkauf des im Salzkammergut gelegenen Stoderzinken an eine Wiener Liegenschaftsverwaltung sorgt für Aufregung

Linz/Wien – Bei der Aufsichtsratssitzung der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) am 4. September, die diesmal wegen einer Waldbesichtigung in Moskau stattfand, stand der Verkauf des Stoderzinken auf dem Programm. Insgesamt ging es um den Verkauf von 416 Hektar. Interesse gezeigt hatte eine Gemeinschaft von Bürgen aus Gröbming in der Steiermark, die 0,35 Euro pro Quadratmeter boten. Übertroffen wurden sie von einer Wiener Liegenschaftsverwaltung, die 0,3509 Euro pro Quadratmeter für die Liegenschaft in den Gemeinden Gröbming und Aich zu zahlen bereit waren – in Summe 1,46 Millionen Euro.

Die Liegenschaftsverwaltung, die bereits 2002 von der Republik in den Nachbarorten Lengdorf und Gröbming 518 Hektar gekauft hat, sollte den Zuschlag erhalten – vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats, der erst "nach einer wasserrechtlichen Prüfung" entscheide, sagte ÖBf-Sprecher Bernhard Schragl zum STANDARD. Erst, wenn das Ergebnis vorliege, werde sich der Aufsichtsrat damit befassen.

Die Aufregung in der Region, wo am Sonntag Demonstrationen stattfinden, kann Schragl nicht verstehen. "Das ist ein Vorgang, wie er dutzendfach stattfindet."

Naturschutzgebiet

Für Aufregung sorgt das Thema allerdings auch beim Umweltdachverband, der Organisation, die 34 Naturschutz- und Umweltverbände vertritt. Nach Ansicht des Geschäftsführers des Umweltdachverbandes, Franz Maier, dürften die Bundesforste den Stoderzinken gar nicht verkaufen. Denn Teile der Fläche seien als Naturschutzgebiet ausgewiesen und gehörten zum europäischen Naturschutzgürtel. Problematisch sei vor allem, dass das Gebiet ein Wasserschutz- bzw. Wasserschongebiet sei. Hier gehe es um strategische Wasserreserven. "Das bedeutet, dass die Bundesforste dieses Grundstück rein rechtlich gar nicht verkaufen dürfen, weil sie per Gesetz zur Substanzerhaltung verpflichtet sind." Maier vermutet, dass eine Nutzung als Skigebiet geplant ist. "Wir sind auf jeden Fall dagegen." (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.9.2006)

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