Berlusconi an Telecom Italia interessiert

10. Oktober 2006, 15:12
posten

Aufspaltung des Konzerns ist so gut wie sicher - Gewerkschaft plant Streik

Als Protest gegen die Restrukturierung von Telecom Italia haben die Gewerkschaften vorerst für 3. Oktober zum Streik aufgerufen. Der geplante Umbau von Telecom Italia, die Dreiteilung des Konzerns in eine Mediengesellschaft, in die Festnetzsparte und die Mobilfunktelefonie schlägt weiterhin hohe Wellen. Der neue Telecom Italia Chef, Krisenmanager Guido Rossi will in den nächsten Tagen entscheiden, was tatsächlich zum Verkauf steht. Die Gewerkschaften befürchten, dass ein Verkauf der Festnetz-und der Mobilfunksparte mit einem erheblichen Job-Abbau verbunden ist.

Angeblich sei u.a. Silvio Berlusconi mit seiner Mediaset-Gruppe an Telecom Italia interessiert. Auch wenn noch keine Verhandlungen im Gange sind hat Mediaset Konzernchef Giuliano Adreani wissen lassen, dass der Konzern einer Kooperation positiv gegenüber stehe. Interesse an Telecom Italia hat auch die Unternehmerfamilie Benetton, die bereits 20 Prozent an der Telecom Italia Dachholding Olimpia besitzen.

Schließlich haben die Benettons 2001, als sie sich an Telecom Italia beteiligten, das Doppelte vom heutigen Wert des Telekomkonzerns bezahlt.

Analysten in Mailand sind sich einig, dass der Plan die Festnetztelefonie von der Mobilfunksparte Telecom Italia Mobile (TIM) zu trennen und das Breitbandgeschäft auszubauen, Gültigkeit besitzt. Die Telecom Italia soll so zu einem Medienunternehmen ausgebaut werden, als Partner ist bereits der australische Tycoon Rupert Murdoch im Gespräch. Berlusconi könnte sich dem Duo anschließen, heißt es.

Die Regierung befürchtet, dass die Mobilfunktochter TIM ins Ausland verkauft wird und hat sich deshalb in die neuen Pläne des Konzerns eingemischt. Der Rücktritt von Telecom Italia Präsident Marco Tronchetti Provera und des persönlichen Wirtschaftsberaters von Regierungschef Prodi waren die unmittelbare Folge der Regierungspolitik. Nun muss sich Prodi nicht nur vor dem Parlament sondern auch vor der EU wegen seines Verhaltens verantworten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.9.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.