Weltbank: Afrika braucht Geld

5. Oktober 2006, 18:40
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Wolfowitz appelliert für freieren Handel und mehr Entwicklungshilfe, abgebrochene Verhandlungen sollen schleunigst wieder aufgenommen werden

Singapur - Weltbankpräsident Paul Wolfensohn hat die reichen Länder dringend zur Auszahlung ihrer versprochenen Entwicklungshilfe aufgerufen. "Afrikanische Länder können nicht auf der Grundlage leerer Versprechungen aufbauen", sagte er am Dienstag bei der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Singapur. Für viele sei die Hoffnung auf eine bessere Zukunft wegen des vorläufigen Scheiterns der Doha-Runde für weitere Handelsliberalisierungen in Gefahr. Wie Wolfowitz appellierte auch IWF-Direktor Rodrigo de Rato an die Weltgemeinschaft, die abgebrochenen Verhandlungen schleunigst wieder aufzunehmen.

Schlussrunde

Mit der zweitägigen Plenarsitzung der 184 Gouverneure von IWF und Weltbank ging die Jahrestagung in Singapur in ihre Schlussrunde. Der IWF hatte am Montag mit der Zustimmung zu einer Erhöhung der Kapitalanteile und damit Stimmrechte für vier boomende Schwellenländer die größte Reform in seiner 60-jährigen Geschichte eingeläutet. Die Weltbank-Mitglieder beschlossen neue Anstrengungen im Kampf gegen die Korruption. "Gute Regierungsführung ist die Grundlage für den Weg aus der Armut", sagte Wolfowitz.

Deutliche Kritik

Die IWF-Reform stieß in Singapur auf unerwartet deutliche Kritik. Während das Gewicht von China, Südkorea, Mexiko und der Türkei im Fonds aufgewertet wurde, gingen Länder wie Brasilien und Indien leer aus. Ihr Anliegen soll im zweiten Schritt der Reform bis Ende 2008 berücksichtigt werden. Ansprüche meldete am Dienstag aber auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) für die Europäer an. Bei der nächsten Anhebung der IWF-Anteile sollten auch unterrepräsentierte EU-Staaten mehr Stimmen erhalten, forderte er. "Das Prinzip der Gleichbehandlung und der fairen Lastenverteilung sollte strikt für alle IWF-Mitglieder gelten", hieß es in seinem Redemanuskript.

Deutschland sieht sich beim IWF selbst unterrepräsentiert. Nach der jüngsten Quotenerhöhung sank der deutsche Stimmanteil leicht auf 5,98 Prozent. (APA/dpa)

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    Wolfowitz: "Afrikanische Länder können nicht auf der Grundlage leerer Versprechungen aufbauen."

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