Ölspur Richtung Süden

5. Oktober 2006, 17:10
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Der Ölpreis fiel vom Höchststand im Juli deutlich ab - Vorübergehende Korrektur oder Trendwende - Eine Analyse von Christian Marchner

Am 14. Juli dieses Jahres markierte der Ölpreis mit 78,4 US-Dollar je Barrel ein vorläufiges Rekordhoch. Von diesem Höchststand fiel der Kurs deutlich ab und notiert momentan bei 64 US-Dollar, knapp 18 Prozent tiefer. Erstmals seit 2003 gab der Ölpreis an sieben aufeinander folgenden Tagen nach. Zuletzt sind einige Gründe für den deutlichen Rückgang zusammengekommen.

Die Lage um das iranische Atomprogramm hat sich in den letzten Tagen etwas beruhigt. Der Iran hat sogar angeboten, seine Urananreicherung für bis zu zwei Monate auszusetzen, sollten wieder Gespräche aufgenommen werden. Dadurch sollte die Drohung vom Stopp der Öllieferung und der Sperrung der Straße von Hormus, einer Meerenge im persischen Golf zwischen dem Iran und dem Oman, durch die immerhin ein Fünftel der weltweiten Ölmenge befördert wird, entschärft sein. Auch die Krise im Libanon und die Gefahr von einem Flächenbrand im Mittleren Osten ist gegenüber Mitte Juli deutlich schwächer geworden.

Investition in Ölinfrastruktur und Kapazitäten

Der weltgrößte Ölproduzent Saudi Arabien hat letzt Woche bekannt gegeben, in den nächsten Jahren bis zu 70 Mrd. US-Dollar in seine Ölinfrastruktur und Kapazitäten zu investieren. Dadurch könnte die tägliche Fördermenge von 9,2 auf 12,5 Millionen Barrels angehoben werden und so das weltweite Ölangebot in Zukunft deutlich erweitern. Der Markt rechnet sich dadurch eine Entlastung des Ölpreises aus.

Die Organisation von erdölexportierender Staaten (OPEC) hat nach dem deutlichen Rückgang des Ölpreises entschieden, die Förderquote unverändert auf dem momentanen Niveau zu belassen. Allerdings kündigte der iranische Ölminister bereits an, die Produktion drosseln zu wollen, sollte die Marke von 60 US-Dollar unterboten werden. Im 2. Quartal brachten es die OPEC Länder im Durchschnitt auf 34,5 Millionen Barrel pro Tag, was etwa 40 % des weltweiten Angebots entspricht.

Abhängigkeit verringern

Die asiatischen Länder China und Japan wollen ihre Abhängigkeit von Ölimporten aus dem Mittleren Osten verringern und importieren verstärkt Öl aus Afrika und Russland. Die Raffinerien wollen so viele Lieferanten wie möglich, um eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten. Das afrikanische Land Angola hat bereits Saudi Arabien als größten Öllieferanten Chinas überholt. Auch Importe aus Russland und Kasachstan führen dazu, dass der Anteil von Rohöl aus dem Mittleren Osten für China, dem weltweit zweitgrößten Ölverbraucher, weiter abnimmt. Diese Diversifizierung kann langfristig die Macht der Preisgestaltung durch die OPEC schwächen und so den Ölpreis etwas entlasten.

Wichtige Daten für die weitere Entwicklung des Ölpreises lieferte in der vergangenen Woche die Internationale Energie Agentur (IEA). Sie korrigierte ihre Prognosen für das Wachstum der Ölnachfrage nach unten. So wird im Jahr 2006 die Nachfrage nur um 1,3 % gesteigert und für 2007 anstelle von 1,9 % nur mehr 1,8 % prognostiziert. Dieser Rückgang ist ein Resultat aus der Abkühlung der globalen Konjunktur, die sich auf die Produktion von Wirtschaftsgütern und den damit verbundenen Verbrauch von Öl auswirkt. Die Öl-Lager der USA weisen momentan einen überdurchschnittlich hohen Stand auf, der unter anderem auf Grund der schwachen Hurrikan-Saison erreicht wird. Vor einem Jahr haben die Hurrikans Katharina und Rita Ölplattformen im Golf von Mexiko zerstört und in der Folge den Ölpreis auf einen vorübergehenden Rekordstand gehoben.

FAZIT

Wir sehen den Rückgang beim Ölpreis nur als vorübergehende Korrektur und nicht als eine Trendwende an. Die politischen Risiken können jederzeit wieder verstärkt in den Vordergrund rücken und auch die Hurrikan-Saison ist noch nicht vorüber. Zusätzlich sind viele Förderländer an deren Produktionsgrenzen angelangt und können ihr Angebot damit nicht mehr erweitern. Außerdem ist trotz neuer Funde das globale Ölfördermaximum (peak oil) bald erreicht und die Verfügbarkeit von Öl wird dann stetig abnehmen. Wie lange die Korrektur noch anhält ist schwer zu prognostizieren. Der Ölpreis sollte aber bald wieder die 70 US-Dollar Marke überschreiten können.

Der Autor ist Analyst bei BA-CA Asset Management.

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.
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    Erstmals seit 2003 gab der Ölpreis an sieben aufeinander folgenden Tagen nach. Zuletzt sind einige Gründe für den deutlichen Rückgang zusammengekommen.

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