Des Prinzen Umgang mit Licht und Luft

15. November 2006, 15:49
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In Schlosshof wird die älteste Orangerie Europas renoviert, in der eine Technik schlummert, wie sie in Niedrigenergiehäusern zum Einsatz kommt

In Schlosshof wird die älteste Orangerie Europas renoviert. In dem Gebäude des Prinzen Eugen schlummert eine Technik, die heute in Niedrigenergiehäusern zum Einsatz kommt.


Schlosshof - Der Prinz hat sich damals einen Wunsch erfüllt, er ließ für die exquisite Gartenanlage von Schloss Hof 1729/30 im Ostflügel des Meierhofes zwei riesige Glashäuser bauen. 180 Kübelpflanzen hatten darin Platz, die riesige, nach Süden weisende Glasfront neigt sich ein wenig nach hinten und wird oben von einem konkaven, weiß getünchten Mauerband eingefasst, um auch den letzten Rest tief stehender Sonne einzufangen und zu bündeln.

Das Holz ließ Prinz Eugen eigens aus den Karpaten her-anschaffen, es waren volle Stämme, denn damals war das Misstrauen gegen den Leim noch intakt.

Geschäftsführer Kurt Farasin setzte bei der Renovierung des rechten Glashauses nun durch, auch diesmal der gängigen Zimmermannsweisheit nicht auf den Leim zu gehen, sondern Kiefern zu besorgen, die über zehn Meter Länge einen 60 Zentimeter dicken Kern aufweisen. Aus diesen Stämmen wurden die 51 in drei Reihen angelegten Fenster gezimmert.

Im Haus-, Hof und Staatsarchiv fand man die Inventarliste und die Pläne. Wie schon oft beim Reparieren von Schloss Hof hatten auch diesmal die Handwerker ihre Freude, alte, von "modernem" Wissen zum Teil zu Unrecht ins Vergessen gedrängte Techniken wieder ausgraben zu dürfen.

Übrigens arbeiteten vor zwei Jahren serbische Maurer an der Fassade des Schlosses. Sie kannten die alten Kalkungstechniken noch, die von der heutigen Architekten- und Baubranche als unbrauchbar abgetan wurden. Die Serben und Farasin behielten Recht, die Außenhaut von Eugens Haus ist zwar ein wenig heikler, aber seine Farben leuchten intensiver als die Industriepalette. Der Prinz gab vielen ausgemusterten Soldaten Brot und Bett in Schloss Hof. Das Schloss gibt heute 124 Menschen Arbeit. Die meisten kommen aus der Gegend.

"Zuckerstück"-Heizung

Farasin: "Das Zuckerstück im Glashaus ist die thermische Schwerkraftheizung, eine Technologie, die heute wieder in Niedrigenergiehäusern eingesetzt wird. Am Anfang haben unsere Techniker gar nicht gewusst, wie das funktionieren kann." Das Prinzip ist so einfach wie genial. Drei große Holzöfen heizen die Umluft, deren Schweben durch einen sich verengenden Schacht (Düsenwirkung!) verstärkt wird. Die warme Luft steigt über die Glasfenster auf und zirkuliert über den Rücken des Raums nach unten. Dort fällt sie in einen Schacht, der sie wieder über gemauerte Düsen in den Heizraum leitet, wo sie wieder erwärmt wird.

Die Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H. lässt rund drei Millionen Euro springen, um die Orangerie nach rund 200 Jahren wiederzueröffnen. Auch der vorgelagerte Garten, wie die gesamte Anlage auf die Maximierung des Schauwerts angelegt, wird wieder hergerichtet.

Nicht zuletzt eine Folge des Erfolgs. Farasin: "Statt der erhofften 120.000 Besucher hatten wir im Vorjahr 150.000, und heuer liegen wir schon wieder 40 Prozent über diesen Zahlen." Farasin bilanzierte mit rund 110.000 Vollzahlern, was einem Umsatz von rund einer Million Euro entspricht. Am Sonntag flanieren bis zu 3500 Menschen durch die Anlage von 50 Hektar, an Wochentagen sind es immer noch rund 700.

Das multiple Angebot

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt vier Stunden, in Schönbrunn übrigens nicht ganz eine Stunde. Davon 60 Prozent im Meierhof mit seinem multiplen Angebot aus Kinder- und Erlebniswelt, historischen Kulturtechniken, Garten und Tierpark, Restaurant, Shops und Wanderwegen. Farasin: "Wir kalkulieren, dass durch unser Angebot und die Aufenthaltsdauer sich der Erlös aus dem Ticket etwa verdoppeln lässt."

Im Ausland wird Schloss Hof durch die Marketingplattform "Imperial Austria" repräsentiert, der auch Schönbrunn und die Hofburg angehören. Farasin: "Und das Ballett für das Neujahrskonzert 2007 wird bei uns gefilmt." Er scheint das Ziel, binnen fünf Jahren den operativen Betrieb aus den Erlösen (Ziel: 220.000 Besucher) zu finanzieren, locker zu erreichen. Ermutigt durch die Akzeptanz, haben Bund und Land Niederösterreich eine zweite große Investitionstranche von 25 Milli-onen Euro genehmigt. Barocke Kübelpflanzen kosten eben. (Johann Skocek/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.9. 2006)

  • Die Sanierung der Orangerie in Schlosshof: Bei der Auswahl des Holzes ging man modernen Techniken nicht auf den Leim.
    foto: standard/schlosshof

    Die Sanierung der Orangerie in Schlosshof: Bei der Auswahl des Holzes ging man modernen Techniken nicht auf den Leim.

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