Training gegen Stammtischparolen

19. Oktober 2006, 13:08
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Grazer Workshop zum Umgang mit verbaler Diskriminierung

Graz - "Alle Moslems sind Terroristen. Wenn die Ausländer schon da sind, sollen sie sich wenigstens benehmen. Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg." Drei Flipchart-Blätter voll typischer Phrasen sind schnell gesammelt. Sie sind die Grundlage für die Rollenspiele beim Grazer Workshop "Argumentationstraining gegen Stammtischparolen". Das Publikum ist größtenteils weiblich. Die meisten der zehn Teilnehmer kennen diskriminierende Sprüche aus eigener Erfahrung oder durch ihre Arbeit bei Vereinen wie Zebra oder Isop. Eine Ermutigung soll der Workshop sein, sagt Barbara Schmiedl vom "Europäischen Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie". Schmiedl hält seit einem Jahr Trainings dieser Art ab, vergangene Woche fand ein Workshop erstmals in Kooperation mit dem Grazer Migrantenbeirat statt. Der Workshop sei notwendig, sagt Kheder Shadman vom Migrantenbeirat. Menschen würden in ihrer Würde verletzt und hätten rechtlich kaum Möglichkeiten, dagegen vorzugehen.

Im Training wird eine Stammtischsituation nachgestellt: drei Personen sind fürs Parolendreschen zuständig. Drei sitzen gegenüber und vertreten die Gegenmeinung. Die Stehsätze fliegen hin und her, der Stammtisch verbündet sich, lässt kaum Platz für Fakten oder eine vernünftige Diskussion. In der Analyse zeigt sich, dass sich die Gegenseite nicht geschlossen gegen die Angriffe gestellt hat. Schmiedl rät, sich Verbündete zu suchen wann immer es geht, in der Straßenbahn den Fahrgast neben sich, statt direkt den "Stammtischmenschen" anzusprechen. Die Teilnehmer werden bewusst in Situationen gebracht, die jederzeit wieder auftreten können. Es gebe keinen Katalog, was man auf welche Parole antworten kann, sagt Schmiedl.

Im Workshop kann man sich auch Anregungen von den anderen Teilnehmern holen. Amara Dissanayake etwa kommt aus Sri Lanka. Sie erzählt, ihr Sohn sei nach dem ersten Kindergartentag mit der Frage nach Hause gekommen, "was ein Neger" sei. Nach einigen Überlegungen trug sie ihm auf, sich am nächsten Tag als Schwarzenegger-Fan zu outen, und zwar mit den Worten: "Ich bin Arnold, schwarzer Neger." Der Witz kam an und ließ die Kinder jegliche Berührungsängste vergessen. (Agnes Fogt, DER STANDARD, Print, 19.9.2006)

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