Fredrik Reinfeldt

8. Oktober 2006, 20:40
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Ein "linker" Rechter: Schwedens künftiger Premier

Fredrik Reinfeldt mag Abba. Und ganz besonders mag er den Titel, den Schwedens Popgiganten der Allmacht des Siegers widmeten: "The winner takes it all".

Mit dem Rekordergebnis für die eigene Partei und dem Triumph über die jahrzehntelang staatstragenden Sozialdemokraten kann der schwedische Konservativenchef nun selbst einen sensationellen Sieg verbuchen. Der für seine Ruhe und Ausgeglichenheit bekannte 41-Jährige bleibt dennoch gewohnt gelassen. Auf seine neue Führungsrolle im bürgerlichen Regierungsteam hat sich Fredrik Reinfeldt lange vorbereitet.

Schon als Zehnjähriger beaufsichtigte Fredrik des Öfteren allein seine beiden jüngeren Brüder, während die Eltern arbeiteten. Die Mutter hatte sich als Unternehmensberaterin selbstständig gemacht; Unternehmenspolitik und Steuern waren im Elternhaus beliebte Diskussionsthemen. Mit 18 trat der begeisterte Basketballspieler dem konservativen Jugendverband bei. 1991, ein Jahr nach dem Studienabschluss als Betriebswirt, folgte der Einzug ins Parlament.

2003 übernahm Reinfeldt den Parteivorsitz der Moderaten, wie sich Schwedens Konservative nennen - mit der Ankündigung, 2006 schwedischer Ministerpräsident werden zu wollen.

Dass dieses für einen konservativen schwedischen Politiker gemeinhin wenig aussichtsreiche Unterfangen nun gelungen ist, lässt sich vor allem Reinfeldts Pragmatismus zuschreiben. Mit Blick auf die solidarische Grundhaltung des Durchschnittsschweden änderte der neue Parteichef das Image der Konservativen radikal - von einer Partei der Steuersenker hin zur Hüterin sozialer Werte. Äußerungen wie die von 1993, wonach der eiserne Glaube der Schweden an die Garantie sozialen Wohlstands durch die Politik auf "mentale Handicaps" schließen lasse, kämen dem Chef der "neuen Arbeiterpartei" heute nicht mehr über die Lippen.

Beim Werben um die Wählergunst kommt Reinfeldt nicht zuletzt seine um Sachlichkeit bemühte und von Arroganz freie Ausstrahlung entgegen. Selbst das Kindermädchen - in Schweden noch immer als "Oberklassensymbol" verschrien - nimmt man dem mit einer konservativen Gemeinderätin verheirateten dreifachen Vater offenbar nicht mehr sonderlich übel.

Außenpolitisch gilt Reinfeldt bisher als vergleichsweise unbeschriebenes Blatt. Im Gegensatz zu dem früheren konservativen Parteivorsitzenden Carl Bildt verfügt er kaum über entsprechende Kontakte. Wohl nicht zuletzt deshalb reservierte der erklärte Nato-Befürworter im Wahlkampffinale demonstrativ einen Tag für ein Treffen mit Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel. Die erste Auslandsreise dürfte den neuen Premier jedoch traditionsgemäß nach Finnland führen. (Anne Rentzsch/DER STANDARD, Printausgabe, 19. September 2006)

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    Ein "linker" Rechter: Schwedens künftiger Premier.

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