ÖIAG prüft Air France als AUA-Partner

3. Oktober 2006, 11:00
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Unmittelbar nach den Wahlen sollen die Würfel für die defizitäre Luftfahrtgruppe fallen

Wien - In einer Sonder-Aufsichtsratssitzung am 2. Oktober will sich die ÖIAG, mit 39,7 Prozent größter AUA-Einzelaktionär, eine Finanzspritze von 300 bis 400 Mio. Euro ebenso absegnen lassen wie einen möglichen Partnerwechsel von der Lufthansa zur Air France, schreibt "Die Presse" in ihrer Ausgabe von morgen, Dienstag. Die von CA IB und Merrill Lynch vorbereitete Geldspritze solle voraussichtlich im November erfolgen.

Die ÖIAG wollte diese Meldung am Montagabend nicht kommentieren. "Wir geben zu Aufsichtsratssitzungen keine Inhalte oder Details bekannt", sagte eine ÖIAG-Sprecherin lediglich. Ein Detail verriet sie aber doch: "Ein strategischer Partner (für die AUA) ist kein Thema".

"Angespannte Kapitallage"

Angesichts der "angespannten Kapitallage" der AUA soll ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis bereit sein, Tabus zu brechen, so das Blatt unter Berufung auf das "Umfeld der Staatsholding". Konkret überlegt werde der Einstieg eines oder mehrerer Partner. Einzige Vorgabe: Ein Totalverkauf der AUA kommt nicht in Frage. Die Eigenständigkeit der rot-weiß-roten Fluglinie und des Headquarters in Österreich müsse erhalten werden, wie dies der seit Mai amtierende AUA-Chef Alfred Ötsch wiederholt angekündigt hatte. Gleichzeitig solle der AUA ein finanzstarker Aktionär zur Seite gestellt werden.

Als möglicher Partner werde immer öfter Air France genannt. Zusammen mit der vor zwei Jahren übernommenen niederländischen KLM bildet Air France die größte Fluggesellschaft Europas. Die Franzosen hätten gegenüber der - oft als logischer Retter gesehenen - Lufthansa Vorteile: Air France verzeichnet trotz hoher Kerosinkosten gute Gewinne und verfügt über kein ausgeprägtes Osteuropa-Netz. Zudem würden die Franzosen die AUA ihrem derzeitigen Ost-Partner, der tschechischen CSA, die hohe Verluste schreibt, vorziehen.

Bei einem Air France-Einstieg würde Wien die Funktion als Flug-Drehkreuz ("hub") behalten. Die Franzosen, die bereits 1,5 Prozent an der AUA halten, sollen zudem bereit sein, "viel Geld springen zu lassen" - für die notwendige Harmonisierung der AUA-Flotte und für einen Allianzwechsel. Die AUA gehört seit März 2000 der Star Alliance um die Lufthansa an, während Air France das Bündnis "SkyTeam" dominiert. Ein Allianzwechsel wäre laut Experten die größte Hürde für Air France, weil er viel kostet und alle Buchungs- und Vielflieger-Systeme neu aufgesetzt werden müssten. (APA)

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