Ruf nach Konsequenz in Seibersdorf lauter

5. Oktober 2006, 14:01
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Vorerst noch keine Sonderprüfer entsandt

Wien – Die Hoffnung, nach dem Eingeständnis schwerer Mängel in Ertrags- und Liquiditätsplanung am Freitag werde im Forschungszentrum Seibersdorf Ruhe einkehren, dürfte eine solche bleiben. Im Gegenteil, die aus rund 40 Unternehmen bestehende Syndikatsgruppe B (sie hält 49,54 Prozent, Anm.) ist jetzt erst recht aufgescheucht.

Jene Stimmen, die von Aufsichtsratspräsident Rainer Wieltsch und dem scheidenden kaufmännischen Geschäftsführer Helmut Krünes Konsequenzen fordern, werden seit Freitag mehr. "Es kann ja nicht sein, dass die Bestverdiener Mist bauen und auch noch einen Bonus bekommen", sagen auch hohe Funktionäre im Ministerium. Jetzt müsse erst recht eine Sonderprüfung kommen, schließlich würden die Austrian Research Centers (ARC) allein durch das BMVIT jährlich mit rund 50 Mio. Euro gefördert.

Sonderprüfer kann laut GmbH-Gesetz wohl die Gesellschafterversammlung entsenden, Wieltsch und die neue Seibersdorf-Spitze rund um Noch-nicht-Geschäftsführer Hans Rinnhofer und Gesamtprokurist Martin Graf sind davon offensichtlich aber gar nicht begeistert. "Die blocken alles total ab", ärgert sich ein Aktionärsvertreter. Als Begründung heiße es, die falschen Berechnungen in der Liquiditätsplanung hätten mit der Bilanz nichts zu tun, die sei in Ordnung. Das hatte Wieltsch auch am Freitag betont: Nach Planungsfehlern werde jetzt alles besser. Gegen den Willen der Organe will das Ministerium derzeit – noch – nicht aktiv werden.

Der von Unternehmensberater Hübner & Hübner vorgelegte Bericht bestätigt detailliert, was das Managementzentrum St. Gallen vor einem Jahr attestiert hat: Reporting und Controlling sind mangelhaft, der Aufsichtsrat wurde nicht richtig oder schlecht informiert: Z.B.: Die Kapitalreserven betrugen per 31.12.’03 zwar 30,5 Mio. Euro, als Barreserven standen aber nur 28,64 Mio. zur Verfügung. Für die "Strategie 2004+" samt Aufnahme von 100 Forschern, standen also von Anfang an 1,9 Mio. Euro weniger zur Verfügung, was den zusätzlichen Finanzierungsbedarf auf 19,01 Mio. Euro weiter erhöhte. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.9.2006)

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