Bequemer demonstrieren per Internet

26. Juni 2000, 15:05

Für "legale kontrollierte Denial-of-Service-Attacken" statt Straßen-Demonstrationen

Mehr und mehr wird das reale Leben virtuell im Internet nachgebildet, so nun auch die Demonstrationen – dabei braucht der Surfer nicht einmal mehr vor die Tür. Ein Mausklick genügt, um die eigene Meinung Kund zu tun. Auf der eigens dafür entworfenen Web-Seite online-demonstration.org stellt der Initiator des Projekts, Alvar Freude, eine speziell entwickelte Software zur Verfügung, die es "erlaubt, sich bei genau definierten Servern für eine begrenzte Zeit bemerkbar zu machen."

Was hier als bloßes "bemerkbar machen" umschrieben wird, sind aber genau genommen "Denial of Service"-Attacken, also die Überschwemmung eines Internet-Servers mit Anfragen, sodass dieser unter der Last zusammenbricht. Nach Angaben der Organisatoren der Web-Seite hängt mit der selbstentwickelten Software der Erfolg einer Online-Demonstration von der Anzahl der Teilnehmer ab – beteiligen sich nur wenige Surfer, werde der Betreiber des Web-Angebots, das Ziel der Demonstration ist, praktisch nichts bemerken. Um einen Mißbrauch der Software auszuschließen, sind die entsprechenden Module nur für jeweils eine bestimmte Demonstration und den angekündigten Zeitpunkt gültig. "Unsere Demonstrationen sind öffentlich angekündigt, in den Auswirkungen und in der Dauer begrenzt. Sie haben nicht das Ziel, Schaden zu verursachen, sondern Aufmerksamkeit zu erringen. Es sind Demonstrationen der Meinungsfreiheit und der demokratischen Mitbestimmung im Internet", erklärt Freude. Die Software soll im Laufe des morgigen Tages fertig gestellt sein.

Als erste Aktion ist für den 29. Juli eine virtuelle Versammlung vor dem Bundesjustizministerium beziehungsweise dessen Web-Server geplant. Die Online-Demonstranten möchten, ähnlich der Initiative Freedom for Links, dass Serienabmahnungen aufgrund von angeblichen Markenschutzverletzungen durch Links auf einer Web-Seite nicht mehr zulässig sind. Weitere Demonstrationen sind geplant, Vorschläge dazu kann jeder machen, sofern er die auf der Web-Seite veröffentlichten Regeln beachtet. (heise)

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