Scania lehnt Angebot von MAN ab

6. Oktober 2006, 10:38
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Vorstand und Aufsichtsrat des schwedischen Lkw-Herstellers sowie Großaktionäre Volkswagen und Investor weisen 9,6-Milliarden-Offert zurück

Stockholm - Vorstand und Aufsichtsrat des schwedischen Lkw-Herstellers Scania lehnen das in der Nacht auf Montag bekannt gegebene Übernahmeangebot des deutschen Konkurrenten MAN in Höhe von 9,6 Milliarden Euro ab. MAN hat für jede Scania-Aktie 0,151 neue Stammaktien der eigenen Gesellschaft zuzüglich einer Barkomponente von 38,35 Euro angeboten. Gemessen am Schlusskurs vom Freitag entspricht dies einem Wert von insgesamt 9,6 Milliarden Euro oder 48 Euro je Scania-Aktie.

Der Scania-Vorstand habe das Angebot sorgfältig geprüft und daraufhin in einer Sitzung am Sonntag einhellig beschlossen, das Angebot von MAN nicht zu unterstützen, teilte der schwedische Konzern am Montag mit. Scania habe MAN danach sofort in Kenntnis gesetzt. Auch in einer Erklärung des Aufsichtsrates wurde die Ablehnung erklärt; die Entscheidung sei einstimmig gefallen, hieß es.

Großaktionäre: "Feindliches Offert"

Scania-Großaktionär Investor wies das MAN-Offert ebenfalls zurück, und auch der zweite Großaktionär Volkswagen lehhnt das Angebot einer mit dem Vorgang vertrauten Person zufolge als "unzureichend" ab. "Investor und VW arbeiten zusammen", sagte die Person am Montag. Das Angebot von MAN werde als ein feindliches Offert bewertet.

Volkswagen ist gemessen an den Stimmrechten mit 34 Prozent größter Aktionär von Scania. Die Holding-Gesellschaft Investor und eine Familienstiftung der Wallenbergs kommen zusammen auf 29 Prozent der Stimmrechte. Der Verwaltungsrat (Board of Directors) von Scania hatte das MAN-Offert einstimmig abgelehnt. Dem Board gehört auch VW-Chef Bernd Pischetsrieder an.

MAN: Könnten Annahmeschwelle von 90 Prozent aufgeben

Der MAN-Konzern gab am Montag bekannt, sein Kaufangebot möglicherweise auch dann weiter verfolgen zu wollen, wenn der Kauf von 90 Prozent der Anteile nicht gelingt. "Wir könnten das ändern", sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson am Montag zu Journalisten auf die Frage, ob diese Annahmeschwelle verändert werden könnte. Auf die Frage, ob er ein höheres Angebot ausschließe, gab Samuelsson keine Stellungnahme ab.

MAN teilte weiter mit, dass es mit Renault bereits eine Vereinbarung zum Erwerb eines Scania-Aktienpakets getroffen habe, das einem Kapitalanteil von 2,85 Prozent entspricht. Mit einer Übernahme von Scania würde MAN zum größten Nutzfahrzeughersteller in Europa bzw. zur Nr. 3 weltweit aufsteigen und seine Position im Wettbewerb mit Volvo und DaimlerChrysler stärken.

MAN-Arbeitnehmer begrüßen Angebot

Die IG Metall hat das milliardenschwere Angebot von MAN zur Übernahme von Scania begrüßt. "Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der MAN AG sehen in dem beschlossenen Kaufangebot gegenüber Scania Wachstums- und Entwicklungschancen", erklärte IG-Metall-Vertreter Thomas Otto, der für die Arbeitnehmerseite im MAN-Aufsichtsrat sitzt, am Montag in Frankfurt am Main.

Von der Übernahme Scanias würden alle Konzernbereiche profitieren, erklärte Otto. Der MAN-Vorstand habe zudem zugesichert, dass er auch bei einer erfolgreichen Übernahme Scanias an der bisherigen Konzernstruktur unverändert festhalten wolle. Dabei würden in sämtlichen Konzernsparten alle geplanten Entwicklungen und Investitionen unverändert fortgesetzt. Zudem habe der Aufsichtsrat beschlossen, dass die Strukturen der deutschen Mitbestimmung würden auch bei der Umwandlung der MAN AG in eine Europäische Gesellschaft beibehalten würden. (APA/AP/dpa/Reuters)

  • Scania-Großaktionär Investor meinte, das MAN-Offert spiegele nicht den vollen Wert und das Potenzial von Scania wider.
    foto: epa/jensen

    Scania-Großaktionär Investor meinte, das MAN-Offert spiegele nicht den vollen Wert und das Potenzial von Scania wider.

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