Daimlers neue Allianz zielt auf Lkw-Markt

26. Juni 2000, 14:59

Das vielbeschworene "Weltauto" wird es nicht geben

Stuttgart - DaimlerChryslers neues Engagement bei Hyundai zielt offenbar vor allem auf den Lkw-Markt. Das gemeinsame Angebot für den maroden Daewoo-Konzern spielt nach Informationen aus der Branche in den strategischen Überlegungen keine entscheidende Rolle.

Hyundai soll in die Allianz von DaimlerChrysler mit Mitsubishi zur Entwicklung neuer Kleinwagenmodelle einbezogen werden. Denn Korea ist nicht nur ein interessanter Markt, sondern auch ein billiger Produktionsstandort. Das vielbeschworene "Weltauto" wird es dennoch nicht geben. Der Konzernstratege Eckhard Cordes betonte in Seoul, DaimlerChrysler wolle die unterschiedlichen Regionalmärkte mit unterschiedlichen Fahrzeugen bedienen.

Keine "heiße Liebe" zu Daewoo

Aus Industriekreisen ist zu hören, dass DaimlerChrysler nicht unbedingt traurig wäre, sollte die Allianz Hyundai/DaimlerChrysler den Zuschlag für den hochverschuldeten koreanischen Autobauer Daewoo nicht erhalten. Auch die offizielle Formulierung, man gebe ein "unverbindliches Angebot" ab, das es ermögliche, Daewoo Motor zu prüfen, klingt nicht unbedingt nach heißer Liebe. Die Hyundai Motor Co. sei dagegen sehr profitabel und technologisch gut aufgestellt.

Betont wird auch die Qualität des Nutzfahrzeugwerkes Chonju, in dem das neue Gemeinschaftsunternehmen jährlich bis zu 100.000 Lkw herstellen kann. Der Nutzfahrzeug-Chef Dieter Zetsche kann nun in Asien selbst den Anspruch des weltgrößte Nutzfahrzeugherstellers verwirklichen: in Asien, einem der wichtigsten Wachstumsmärkte für Nutzfahrzeuge, einen relevanten Marktanteil zu bekommen.

1999 hatte DaimlerChrysler in ganz Asien lediglich 11.000 Nutzfahrzeuge verkauft - in Italien waren es fast doppelt so viele. Insgesamt verkaufte der Konzern 555.000 Lastwagen, Lieferwagen und Busse. Hyundai deckt mit Asia Motor 90 Prozent des koreanischen Nutzfahrzeugmarktes ab.

Ziel: Ausbau der Nutzfahrzeugsparte

Auch der Analyst Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg sieht den Ausbau der Nutzfahrzeugsparte als möglichen Hauptgrund für die Beteiligung in Korea. Denn die Entwicklung einer neuen "Weltklasse-Kleinwagenarchitektur", wie es etwas gedrechselt heißt, hätte man auch allein mit Mitsubishi verwirklichen können.

Wobei sich der Begriff "Weltklasse" offenbar auf die Qualität und Technologie beziehen soll und ein einheitliches Weltauto damit nicht gemeint ist. Klar ist aber, dass einzelne Komponenten sich in den verschiedenen Modellen der neuen Kleinwagenfamilie finden lassen werden; sonst würde die Zusammenarbeit auch wenig Sinn haben. (dpa)

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