Chefpostenkarussell rotiert

3. Oktober 2006, 13:13
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Generalversammlung könnte Klarheit in Annan-Nachfolge bringen

New York - Kaum mehr als 100 Tage ist UN-Generalsekretär Kofi Annan noch im Amt, dann läuft sein Mandat aus. Wer zum Jahreswechsel den Chefposten im New Yorker UN-Hochhaus übernimmt, ist derzeit noch völlig offen. Die fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder hüllen sich bisher in Schweigen. Einer ungeschriebenen Tradition zufolge müsste der nächste Generalsekretär aus Asien stammen, nachdem mit Kofi Annan und Boutros Boutros-Gali 15 Jahre lang Afrikaner an der Spitze der UNO standen. Die UN-Generalversammlung diese Woche in New York könnte etwas mehr Klarheit bringen.

Qualifizierter Nachfolger

Die USA und einige westliche Länder pochen darauf, einen qualifizierten Nachfolger Annans unabhängig vom Regionalproporz zu wählen. Der Generalsekretär wird auf Vorschlag des Sicherheitsrats von der UN-Vollversammlung gewählt. Den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates - China, Frankreich, Russland, Großbritannien und den USA - kommt dabei durch ihr Vetorecht eine besondere Rolle zu.

Zurzeit sind fünf asiatische Kandidaten für den Posten im Gespräch; außerdem reichte die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga ihre Kandidatur ein. Bei einer Probeabstimmung belegte der südkoreanische Außenminister Ban Ki Moon den ersten Platz vor dem indischen Vize-Generalsekretär der UNO, Shashi Tharoor. Die folgenden Plätze belegten der thailändische Vize-Ministerpräsident Surakiart Sathirathai, der jordanische Prinz Seid Raad Seid el Hussein und der sri-lankische Diplomat Jayantha Dhanapala. Der Südkoreaner Ban hatte auch schon bei einer ersten Probeabstimmung im Juli vor dem Inder Tharoor geführt.

Probeabstimmungen

Zu diesem Zeitpunkt hatte Prinz Seid noch nicht kandidiert. Die Kandidatur des Jordaniers hatte das zuvor stockende Nominierungsverfahren wieder in Gang gebracht. Allerdings haben alle fünf Kandidaten im Sicherheitsrat noch nicht allzu viel Enthusiasmus hervorgerufen. Prinz Seid ist Botschafter seines Landes bei der UNO. Er wird nach Angaben eines westlichen Diplomaten "in der UNO sehr respektiert" und sei ein möglicher Kompromisskandidat. Er gilt er als versierter Diplomat sowie als Experte für Friedensfragen und internationales Recht.

Empfehlung

Der Sicherheitsrat wird Ende September eine erneute Probeabstimmung vornehmen. "Das Ziel des Rates ist es, der Vollversammlung im Oktober eine Empfehlung zu geben", sagte ein westlicher Diplomat zu AFP. Bis dahin würden sich vermutlich noch weitere Kandidaten präsentieren.

Genannt werden unter anderem zwei singapurische Politiker: Ex-Minsterpräsident Goh Chock Tong und die aktuelle Botschafterin Singapurs in Washington, Chan Heng Chee. Diese, schreibt das US-Magazin Time, könne auf die Unterstützung der USA zählen.(DER STANDARD, Printausgabe, 18.09. 2006)

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