Elsner Verhaftung

5. Oktober 2006, 19:20
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Die Frage, warum sich die österreichische Justiz nicht schon längst ein authentisches Bild vom Gesundheitszustand des nun mehr verhafteten Ex-Bawag-Chefs Helmut Elsner in Südfrankreich gemacht hat, ist nahe liegend - und lässt sich beantworten.

Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft bereits vor Wochen ein zweckdienliches Rechtshilfeersuchen an die französischen Behörden gestellt. Nachdem Elsner zu einer für 17. August in Wien anberaumten Vernehmung nicht erschienen war und dafür gesundheitliche Probleme ins Treffen geführt hatte, wurde die Staatsanwaltschaft aktiv. Wie in grenzüberschreitenden Causen üblich (Elsner lebt ja in Südfrankreich; bis August war er aber anstandslos zu allen Einvernahmen gekommen) verfassten die Juristen ein Rechtshilfeersuchen und baten die Kollegen in Frankreich um geeignete "Observationsmaßnahmen" für Elsner durch die französische Polizei. Nachdem aber auch die Mühlen französischer Behörden nicht allzu rasch mahlen "hatte diese Observation noch nicht stattgefunden, österreichische Journalisten waren vorher dort", erzählt ein Ermittler dem Standard.

Genau daran knüpft sich das zweite derzeit virulente Thema. Denn jene News-Journalisten, deren Zeugenschaft die Staatsanwaltschaft als Grundlage für ihren Haftantrag gemacht hatten, dürften den falschen Mann beschattet haben. Die Frage, ob der darauf basierende Haftbefehl trotzdem gültig ist, beantwortet man am Wiener Landesgericht so: Im Endeffekt spielte das keine Rolle, weil Elsner bei und nach seiner Verhaftung von zwei Ärzten (Polizei-Amtsarzt und Arzt der Justizanstalt, Anm.) untersucht wurde, beide haben seine Haftfähigkeit bestätigt.

Die juristische Schlussfolgerung: "Elsner hat seinen Gesundheitszustand falsch dargestellt, er kann gehen und sich bewegen. Also kann er auch nach Wien kommen; selbst wenn er depressiv ist." (DER STANDARD, gra, Printausgabe, 18.9.2006)

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