Werber zweifeln an Parallel-"ZiB 1"

9. Oktober 2006, 16:52
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Mediaplaner wünschen sich unterschiedliche Programme - Wrabetz vorsichtiger - Thurnher als Infodirektorin kolportiert

Donnerstag braucht ORF-General Alexander Wrabetz im Stiftungrat eine Mehrheit für sein Führungsteam. Wirklich spannend für das Publikum wird es erst Anfang März 2007. Dann will Wrabetz sein neues Programm starten.

Er selbst hat sich die Latte dafür hoch gelegt: Er versprach bei seiner Bewerbung die größte Programmreform in der Geschichte des ORF. Also muss er sich an Gerhard Zeilers Totalumbau im März 1995 und möglicherweise sogar an Gerd Bachers Werk Ende der Sechzigerjahre nach dem Rundfunkvolksbegehren messen lassen.

Junge "ZiB" später

Wrabetz hinterfragt die Durchschaltung der wichtigsten Nachrichten. Das tat schon Gerhard Zeiler 1995, ließ es aber bleiben. Wrabetz dachte laut über eine eigene, junge "ZiB 1" für ORF 1 nach.

In internen Gesprächen wirkte Wrabetz nicht mehr so wild entschlossen. Die "ZiB 1" in ORF 1 zog oft 200.000 Zuschauer mehr an als die "Simpsons" davor. Fragt sich: Würde eine junge "ZiB 1" in ORF 1 mehr Publikum als heute schaffen?

Alternativszenarien kursieren schon: Etwa die junge "ZiB" doch später am Abend und dafür die "ZiB 3" auf Kurznachrichten zusammendampfen. Eine Art tägliches Boulevardmagazin wie "Thema" wird ebenfalls diskutiert.

Mediaplaner für unterschiedliche Programme

Die Zeit um die "ZiB 1" ist für das ORF-Fernsehen wichtigster Geldbringer, hier laufen die teuersten Spots. Wie beurteilen also Österreichs Mediaplaner ein Ende der Durchschaltung?

"Als Reichweitenbank hat die ,ZiB' ohnehin eingebüßt", sagt Peter Lammerhuber (Mediacom) dem Standard. Wer beide Kanäle durchbuchen will, kann das ohne durchgeschaltete Hauptnachrichten. Zur Zielgruppenplanung wären unterschiedliche Programme "sicher effizienter".

Elisabeth Ochsner (Panmedia) reicht das Aus für die Durchschaltung nicht: "Wrabetz muss sich in der Information insgesamt etwas überlegen - und in den Programmprofilen" der TV-Kanäle.

Ulrike Müller-Wernhart (Mindshare) hielte an der Durchschaltung fest, wünscht sich aber "verbesserte Reichweiten" der "ZiB". Paul Schauer (Omnimedia) fände zwei unterschiedlich positionierte "ZiB"s vor dem Hauptabend "im Prinzip klug". Die Durchschaltung sei heute "nicht mehr ganz verständlich".

Besetzungslisten

Wer die Programmreform umsetzt, entscheidet der Stiftungsrat. Als Fixpunkt gilt der bürgerliche Kreative Wolfgang Lorenz als Programmdirektor. Über Sportchef Elmar Oberhauser als Infodirektor "kann man reden", heißt es in bürgerlichen ORF-Kreisen, die bis zur Wahl "noch eine Reihe von Gesprächen" zum Team erwarten. Die Krone brachte am Wochenende Ingrid Thurnher als Infodirektorin ins Spiel. Der Widerstand gegen den Kärntner Willy Haslitzer als Radiochef geht über VP-Kreise hinaus. Die zweifeln auch an Thomas Prantner (Online), Peter Moosmann (Technik).

Bis Donnerstag muss Wrabetz klären, ob er die ÖVP braucht oder wie bei seiner Wahl Rot, Orange, Blau, Grün und Unabhängige reichen (DER STANDARD, Printausgabe 18.9./Harald Fidler)

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