Verbraucher müssen geschützt werden

5. Oktober 2006, 18:40
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Paolo Zegna, Konzernchef der Nobelfirma Ermengildo Zegna, plädiert im STANDARD-Gespräch für die Einführung der Ursprungsbezeichnung auf Modeartikel

STANDARD: Italiens Modeindustrie befindet sich seit vier Jahren auf Talfahrt. Sehen Sie bereits eine Trendwende voraus?

Zegna: Die Talfahrt hat sich zwar verlangsamt, die Talsohle ist aber noch nicht durchschritten. Die Bemühungen der Textilbranche, die Produktion von hochwertigen Produkten zu fördern und ein "System Italien" zu bilden, zeigen die ersten Früchte. So hat etwa die Zusammenlegung von fünf verschiedenen Fachmessen zur Textilmesse "Milano Unica" großen Erfolg. Die Stoffmesse vom 13. bis 15. September zeigte eine Rekordbeteiligung und eine Rekordzahl an Besuchern.

STANDARD: Sie drängen weiterhin auf die obligatorische Einführung der Ursprungsbezeichnung im Modebereich. Sind Sie wirklich davon überzeigt, dass die Verbraucher gewillt sind, höhere Preise für ein Produkt "made in Italy" zu zahlen, und dass eine entsprechende EU-Maßnahme die Branche sanieren kann.

Zegna: Ich weiß nicht, ob dadurch der Verbrauch des "made in Italy" wächst. Der Verbraucher hat aber das Recht, darüber informiert zu werden, woher die gekaufte Ware stammt. Uns geht es in erster Linie darum, die Verbraucher zu schützen. Der Endkonsument kann dann entscheiden, ob er mehr für ein in Europa hergestelltes Produkt ausgeben will oder nicht.

STANDARD: Zahlreiche EU-Länder sind gegen die Einführung der Ursprungsbezeichnung. Auch Deutschland und Österreich haben dagegen gestimmt.

Zegna: All jene Länder, wo die Lobby der Händler und Importeure besonders stark ist, sind dagegen. Es sind nicht so sehr die asiatischen Hersteller, sondern etwa multinationalen Schuhfirmen, die sich vehement gegen die obligatorische Ursprungsbezeichnung wehrten. Möglicherweise bahnt sich eine Trendwende an, in Deutschland hat kürzlich ein Verbraucherverband die Einführung der Ursprungsbezeichnung als gut empfunden.

STANDARD: In Italien wurden während der Regierung Berlusconi Stimmen laut, Schutzzölle auf Waren "made in China" einzuführen. Sind sie für entsprechende Maßnahmen? Würden Sie den heimischen Firmen im Preiskampf gegen die Asiaten nutzen.

Zegna: Eines ist klar. Unsere Firmen sind im Preiswettbewerb gegenüber der asiatischen Konkurrenz unterlegen. Wir können nur mit Innovation und Qualität punkten. Auch ist die Zeit der Schutzzölle endgültig vorüber. Entsprechende Maßnahmen sind nicht nur gegen den Zeitgeist, sondern wären auch für die heimische Industrie kaum eine Hilfe. Ich plädiere aber, dass für alle Länder die gleichen Regeln gelten. Die Regierung muss darüber wachen, dass entsprechende Regeln befolgt werden und Druck üben, dass tarifäre und nicht tarifäre Handelshemmnisse aufgehoben werden. Auch muss das geistige Eigentum stärker geschützt werden. Ministerpräsident Romano Prodi hat auf seiner Chinareise dieses heikle Argument angesprochen.

STANDARD: Die zuständige EU-Kommission wird am 6. Oktober entscheiden, ob die gegen die chinesischen Schuhfirmen erlassenen Dumping-Maßnahmen fortgesetzt werden. Was passiert, falls die Antidumpingmaßnahmen nicht verlängert werden?

Zegna: Das würde ich als alarmierendes Signal sehen. Es ist äußerst schwer zu beweisen, wenn wirkliches Dumping vorliegt und dass entsprechendes Dumping auch zum Schaden unserer Firmen reicht. So besteht etwa ein klares Dumping bei den chinesischen Lieferungen von Baumwollhosen. Da aber in Europa kaum mehr Baumwollhosen hergestellt werden, können wir nicht nachweisen, dass uns das Dumping schadet.

STANDARD: Seit 2001 sind 100.000 Arbeitsstellen in der Modebranche verloren gegangen. Ist der Schrumpfungsprozess zu Ende?

Zegna: Der Schrumpfungsprozess der Modebranche hat sich seit 2005 zwar verlangsamt, ist aber sicher noch nicht zu Ende. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.9.2006)

  • "Die Talfahrt der Modebranche hat sich verlangsamt, die Talsohle ist aber noch nicht erreicht", erläutert Paolo Zegna.
    foto: standard

    "Die Talfahrt der Modebranche hat sich verlangsamt, die Talsohle ist aber noch nicht erreicht", erläutert Paolo Zegna.

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