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Frida Hyvönen:
"Until Death Comes"
(Secretly Canadian)

Frida Hyvönen kommt aus dem hohen Norden Schwedens und der Name vom finnischen Opa. In der Gemeinde Robertsfors finden sich sechs Menschen je Quadratkilometer, doch Hylönen lebt ja nun in Stockholm wo schon 2005 ihr atemberaubendes Debütalbum "Until Death Comes" erschienen ist. Leider nur in Skandinavien allerdings, was das rührige US-Label Secretly Canadian nunmehr (Erscheinungsdatum 24. 10.) zu ändern gedenkt. Es sei ihm gedankt, denn diese Künstlerin ist ein Geschenk.
In Schweden, wo sie es bereits zu einiger Bekanntheit gebracht hat, tourte Hyvönen schon 2004. Heuer war sie in Großbritannien als Support von Landsmann José González unterwegs. Ebenfalls ein Newcomer aus dem wie's scheint bodenlosen blaugelben Reservoir. Es folgten Konzerte in den USA. Derzeit arbeitet die 29-Jährige an der Aufnahme von Songs, die bereits im Herbst 2005 für eine Tanzperformance entstanden sind.
Ihre Lieder gefallen wohl. Man kann sie so nehmen, als rein ästhetische Erfahrung von Schönheit. Und es ist gut. Meist sind da nur Hyvönens Gesang und ihr Klavier. Nur einmal ("Come Another Night") kommt etwas größere Besetzung zum Einsatz. Kleine Dinge wie ein sanftes Klopfen auf dem Tambourin, das Klingen des Glockenspiels oder ein wunderbares - in diesem Umfeld schon als überraschend laut empfundenes - Trompetensolo ("N.Y.") bekommen so große Wichtigkeit.
Und wenn man will kann man auch mitdenken. Denn was man da vor sich hat, ist fruchtbares Material auch für intellektuellen Zeitvertreib. Aber Vorsicht. Frida Hyvönen ist nicht leicht zu fassen. Am Ende, nach (dem großen) "Straight Thin Line", letzter der zehn Songs von "Until Death Comes", steht der geneigte Hörer nämlich schön da: "The key to all my work/ is in none of it/ but in the absence". Erwartungen werden geweckt um sie zu enttäuschen. Erfahrungen aus der handelsüblichen Popwelt sollte man tunlichst an der Garderobe abgeben. Diese nämlich ist vieldeutig, moralischen Konventionen und einfachen Wahrheiten abhold. Beunruhigend, wenn das gemütliche Denken in Baukastenlogik nicht klappt und vorschnelle Schlüsse fehlgehen: Man fürchtet bereits um ein vermeintliches (Missbrauchs?)Opfer, bloß um von ihm über die Berauschung am Gefühl der Macht über den Mann zu erfahren ("Once I Was A Serene Teenage Child"). Ertappt.
Es wird nicht lange gefackelt, unverblümt inneres und äußeres Ringen bloßgelegt. In kühnen Entwürfen aus denen Wagemut spricht und deren meisterliche Sicherheit Bewunderung abnötigt. Unter anderem ist dies auch ein Album großartiger erster Sätze. Die Behauptung von Stärke und Selbstbestimmtheit - oder zumindest das Streben danach - ist ein wiederkehrendes Motiv in Hyvönens Stories. "I am transporting a treasure here/ I am making sure that he gets home/ The sun is shining/ I have everything/ The strength to see him off/ with no promise of his return". ("I Drive My Friend") Gratifikation strömt hier oft aus ungewöhnlicher Quelle. Dies ist ein weites und manchmal seltsames Land. Seine Anziehungskraft mag nicht zuletzt daraus erwachsen.
Hyvönens zurückhaltendes wiewohl fesselndes Pianospiel sorgt in seiner Mannigfaltigkeit für die kongeniale Unterfütterung. Eben noch passend für handfesten Schwank auf verrauchten Varietébühnen setzt es einen im nächsten Augenblick aus in schattenhafter unbehauster Winterkälte. Die klare helle Stimme (Mehrmals kommt einem als Referenzgröße die junge Kate Bush in den Sinn), die sich schon einmal in fulminanter Manier zu anklagender Rage aufschwingt ("You Never Got Me Right") wärmt trotz mancher Bitternis der Worte. Hoffung und Lebensfreude überstrahlen so manche Düsternis doch. Und der Albumtitel? Nein, dem Sensenmann entkommt man nicht. Aber die Zeit bis zu diesem finalen Rendezvous kann ja noch genutzt werden. Für trotz seiner Vergänglichkeit Erfreuliches: "Someday when I'm not broke/ I'll buy you a diamond ring/ And we'll celebrate our love/ until death comes". (Michael Robausch)
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