Drei Leben, ein Ritterschlag

11. Oktober 2006, 09:40
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Martina Dobringer ist Topmanagerin beim Kreditversicherer Coface. Sie hat Karriere mit Kindern gemacht. Das fördert sie auch

Drei Lebensentwürfe hatte Martina Dobringer, und in allen strebte sie nach Meisterinnenschaft. In ihrem dritten Leben - sie ist eine erfolgreiche Managerin geworden - wird sie nun zum Ritter geschlagen: Der französische Staatspräsident Jacques Chirac verleiht ihr den höchsten französischen Orden, den "Chevalier dans l'ordre de la Légion d'Honneur" - Ritter der Ehrenlegion. Grund der Ehre: Sie leitet für den französischen Kreditversicherungskonzern Coface seit 2002 die Österreich-Niederlassung und die Expansion in mittlerweile 13 Staaten in Mittel- und Osteuropa. Wegen anhaltenden Erfolges wurde sie im Vorjahr in die Pariser Konzernleitung von Coface International geholt.

Bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs hatte Dobringer begonnen, unter der Ägide ihres damaligen Chefs beim Kreditschutzverband von 1870 (KSV) und in Kooperation mit Coface Wirtschaftsinformationen in den noch kommunistischen Staaten anzubieten. 15 Jahre lang war sie im KSV die Karriereleiter hochgeklettert. 1998 wurde sie Sprecherin der Geschäftsführung des KSV, Anfang 2002 wechselte sie gänzlich zu Coface.

Ihre erste Leidenschaft aber galt nicht den Bilanzen. "Ich komme aus einer hochmusikalischen Familie. Seit ich mich erinnern kann, wollte ich singen." Sie studierte Operngesang an der Hochschule für Musik in Wien. Sie freute sich, dass ihre LehrerInnen sie so häufig singen ließen. Bis ihr nach fünf Jahren eine Opernsängerin sagte, dass mit ihren Stimmbändern etwas nicht in Ordnung wäre. Ärztliche Behandlung und monatelanges Schweigen nützten nichts mehr. Während der Ausbildung hatte man ihre Stimme - sie war Alt, der einzige ihres Jahrgangs - überfordert. Sie gab ihren Lebenstraum auf. "Aber nur äußerlich. Innerlich habe ich nicht abgeschlossen. Bis vor zwei Jahren habe ich jede Oper gemieden. Es tut unheimlich weh, heute noch."

Familienglück

Sie heiratete, gebar zwei Kinder und strebte nach Familienglück. Doch in dem Kärntner Dorf, wo die Familie ihres Mannes eine große Fabrik hatte, fühlte sie sich "wie in einer beleuchteten Käseglocke". Hätte sie mitarbeiten dürfen, wäre sie vielleicht heute noch verheiratet, mutmaßt sie. Das durfte nicht sein - in ordentlichen Familien, die Geld hatten und etwas auf sich hielten, blieb die Frau zu Hause. Sieben Jahre hielt sie durch. Dann packte sie ihre zwei kleinen Töchter, verließ Ehemann, Villa und Stubenmädchen und kehrte nach Wien zurück. Begleitet von düsteren Prophezeiungen und einem Satz im Kopf: "Euch werde ich es zeigen!" "Das war der größte Motor, das war der Schlüssel zu meiner Karriere. Eigentlich waren die, die mich leiden sehen wollten, die Väter und Mütter meines Erfolgs."

Dobringer bekam einen Job beim KSV und arbeitete sich mit Disziplin und Fleiß eine Stufe um die nächste hoch, bis zur Spitze. Seither wird sie bestaunt: Karrierefrau und allein erziehende Mutter, wie hat sie das geschafft? Dobringer macht den Frauen Mut, beides zu leben - und fördert als Chefin die Vereinbarkeit von Kind und Karriere. Kinderbetreuung sei das Um und Auf, so wie in Frankreich und Skandinavien, wo berufstätige Mütter eine Selbstverständlichkeit sind. Die wahre Heldin sei aber die Billa-Kassierin, die mit wenig Mittel Job und Kinder vereinen muss. (Margarete Endl, DER STANDARD, Print, 16./17.9.2006)

  • Martina Dobringer
    foto: standard/coface
    Martina Dobringer
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