"Chinesische Arbeiterinnen leiden"

11. Oktober 2006, 09:21
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Aktivistinnen auf Tour in Österreich

Wien - Die vielen zu Geschäftsberichten gern präsentierten "Corporate Social Responsibility"-Berichte (CSR) der multinationalen Textilkonzerne "interessieren die chinesischen Arbeiterinnen nicht", sagt die chinesische Arbeitsaktivistin Jenny Chang, die derzeit in Europa auf Lobbying-Tour ist, "denn CSR ändert nichts an ihren realen Arbeitsbedingungen". In den vergangenen Jahren haben die Konzerne verstärkt auf die Überprüfung ihrer Zulieferer in den Niedriglohnländern gesetzt.

Doch laut Chang seien die Dokumente, die den Konzernen dabei gezeigt werden "sehr oft falsch, wir haben einen Haufen Beweise dafür."

Unterdrückung, exzessive Überstundenleistungen und Bezahlung unter den Mindestlöhnen sei weiterhin üblich. "Die chinesischen Arbeiterinnen leiden für die globalisierte Wirtschaft." Beweise dafür lege man auch vor. "Dann sagen uns die CSR-Beauftragten, sie wüssten von den Problemen und werden sie ansprechen. In Wirklichkeit passiert gar nichts." Wenn Auditoren in Zulieferfirmen kommen, würden die Firmenbosse "die Arbeiter bezahlen, wenn sie die 'richtigen' Antworten geben", so Chang, deren Organisation Sacom (Students and Scholars Against Corporate Misbehavior) vom liberalen Hongkong aus agiert.

Seitens der österreichischen Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrungsmittel signalisiert Monika Kamperle Solidarität: "China hat gute Arbeitsgesetze, aber die nützen nichts, wenn man sie nicht durchsetzt." Und an die Konsumenten sagt sie: "Es bringt nichts zu sagen: Wir kaufen keine T-Shirts aus China mehr, denn das trifft die Arbeiterinnen. Es geht um menschenwürdige Bedingungen." (szem, DER STANDARD, Print, 16.9.2006)

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