G-7 rechnet mit starker Weltkonjunktur

5. Oktober 2006, 18:40
2 Postings

Trotz schwächerem US-Wachstums - China zu größerer Flexibilität aufgefordert - Jahrestagung von IWF und Weltbank in Singapur

Singapur - Die sieben größten Industrieländer der Welt haben China zu einer größeren Flexibilität bei der Bewertung seiner Währung aufgefordert. Auf diese Weise könnten die notwendigen Anpassungen erreicht werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die am Samstag nach Beratungen in Singapur veröffentlicht wurde. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 erklärten darüber hinaus, sie rechneten auch bei einem etwas nachlassenden US-Wachstum mit einer weiterhin starken Weltkonjunktur.

Allerdings bestehe zugleich durch unbeständige Energiepreise und wachsende Inflationserwartungen die Gefahr eines Abschwungs, hieß es in dem Papier weiter. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück rief dazu auf, Risiken für die Weltkonjunktur rechtzeitig gegenzusteuern. Die Bedingungen für das Wachstum der Weltwirtschaft seien aber noch nie so gut wie derzeit gewesen, erklärte Steinbrück vor dem Auftakt des G-7-Finanzministertreffens in Singapur.

Themen bei den Gesprächen der sieben führenden Industriestaaten waren seinen Angaben zufolge unter anderem das US-Handelsdefizit, die steigenden chinesischen Exporte und die Frage, wie die Europäer ihr Wachstum ankurbeln könnten.

China soll Yuan aufwerten

Der japanische Finanzminister Sadakazu Tanigaki erklärte, die Unterbewertung des chinesischen Yuan sei nicht direkt diskutiert worden. Man habe jedoch darüber gesprochen, dass größere Flexibilität notwendig sei. Die USA und andere wichtige Handelspartner haben China bereits mehrfach aufgefordert, den Yuan aufzuwerten. Die USA hoffen, so ihr gewaltiges Handelsbilanzdefizit gegenüber China verringern zu können. Der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan sagte, Peking sei bereit, Vorschläge in Bezug auf seine Währung in Erwägung zu ziehen. Es seien auf Möglichkeiten denkbar, den Wechselkurs des Yuan flexibler zu gestalten.

Die Finanzminister forderten zudem, "so schnell wie möglich" die seit Juli brach liegenden Gespräche der Welthandelsorganisation (WTO) über eine weltweite Liberalisierung der Märkte wiederaufzunehmen. Die 149 WTO-Mitglieder hatten im Juli in Genf beschlossen, ihre sogenannte Doha-Verhandlungsrunde auszusetzen. In Singapur begann am Samstag neben dem Treffen der G-7-Finanzminister das diesjährige fünftägige Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Zur G7 gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA.

Weltentwicklungsbericht der Weltbank

Die ebenfalls in Singapur tagende Weltbank veröffentlichte am Samstag ihren Weltentwicklungsbericht. Darin forderte sie die Entwicklungsländer auf, sich stärker auf die Bildungschancen für die jungen Menschen zwischen zwölf und 24 Jahren zu konzentrieren. Die Jugendlichen seien heute gesünder und besser ausgebildet als frühere Generationen, bräuchten aber Hilfe, um ihr Potenzial entfalten zu können, hieß es in dem Bericht weiter. Mehr als 20 Prozent der Unternehmen in Ländern wie Algerien, Brasilien, China, Estland und Sambia hätten angegeben, dass die schlechte Ausbildung der jungen Menschen ihre Arbeit behindere.

Kritiker boykottieren Tagung von IWF und Weltbank in Singapur

Aus Protest gegen den Ausschluss von Globalisierungskritikern haben Nichtregierungsorganisationen ihr Fernbleiben von der diesjährigen Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Singapur erklärt. Bei einem Treffen auf der nahe Singapur gelegenen indonesischen Insel Batam wiesen die Gruppierungen am Samstag ein Angebot der singapuresischen Regierung zurück, die Einreiseverbote für 22 NGO-Aktivisten zurückzunehmen.

"Aus Solidarität können wir dieses Angebot nicht annehmen", sagte der italienische Aktivist Antonio Tricario. Singapur müsse alle NGO-Delegierten ins Land lassen, nicht nur einige wenige. Tricario selbst war von einem Einreiseverbot betroffen, dass am Freitag wieder aufgehoben wurde.

Nach scharfen internationalen Protesten hatte Singapur eingelenkt und 22 von 27 Namen auf einer schwarzen Liste gestrichen. Zuvor hatte Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz dem Stadtstaat in ungewohnter Schärfe vorgeworfen, mit dem Ausschluss von Kritikern "enormen Schaden" angerichtet zu haben. Die Nichtregierungsorganisationen treffen sich nun auf der nahe gelegenen Insel Batam, die zu Indonesien gehört und deshalb nicht von singapuresischen Einreiseverboten betroffen ist. (APA/AP/Red)

Share if you care.