Strabag SE wagt im kommenden Mai neues IPO

8. Oktober 2006, 18:20
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Haselsteiner: Zweiter Börsegang in Wien nicht mehr so "halbherzig" wie erste Notierung - Absage an Barabfindungsangebot für Strabag-Köln

Budapest/Wien - Die Strabag SE geht im kommenden Mai an die Börse - und zwar in Wien, "mit großer Wahrscheinlichkeit" wird es kein Zweitlisting an einer Osteuropa-Börse geben. Dies sagte Konzernchef Hans Peter Haselsteiner am Donnerstag bei der Eröffnung eines neuen Asphaltmischwerks in Budapest vor Journalisten. Haselsteiner bezeichnete die Notierung der "alten" Bauholding-Strabag, die 2003 mit dem Börse-Rückzug beendet wurde, als "gescheitert" und kündigte an, beim neuen Going-Public nicht mehr so "halbherzig" agieren zu wollen. Der Strabag-Konzern wird heuer mit rund 45.000 Beschäftigten etwa 10,1 Mrd. Euro Umsatz machen.

"Es gibt einen Gesellschafterbeschluss (der Familie Haselsteiner und der Raiffeisengruppe, Anm.), nach einem Börsegang in zwei bis drei Schritten auf 40 Prozent zurückgehen zu wollen", sagte Haselsteiner. Internationale Investoren wollten sich nicht vor den Karren von Familienunternehmen spannen lassen, bei der ersten Börsenotiz sei die "Emission zu klein, der Streubesitz und die Liquidität zu niedrig gewesen", sagte Haselsteiner. Auch sei der Wiener Börseplatz damals noch nicht wirklich attraktiv gewesen. Seither habe sich Wien freilich zu einer echten Osteuropabörse entwickelt.

Summe wird nicht genannt

Der Konzernchef des heute drittgrößten Baukonzerns in Europa wollte keine Summe nennen, die sich das Unternehmen vom IPO erhofft. Aus dem Unternehmen ist freilich zu hören, dass man mit rund einer Milliarde Euro gerechnet wird. Diese könnte über eine mit dem IPO verbundene Kapitalerhöhung aufgebracht werden. Zusätzlich könnten die Altgesellschafter über eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) weitere acht Prozent der Aktien abgeben, sodass sich dann ein Drittel der Anteilspapiere im Streubesitz befindet.

Der zweite Schritt werde "so rasch als möglich, aber so behutsam wie notwendig erfolgen", sagte Haselsteiner am Donnerstag. Die historische Eigenkapitalquote der Bauholding Strabag sei üblicherweise um die 30 Prozent gelegen. Durch die starke Expansion der vergangenen Jahre (Walter Bau, Züblin) sei diese aber auf aktuell 18 Prozent gesunken. "Ohne Stärkung des Eigenkapitals ist ein weiteres Wachstum nicht möglich", als "absolute Untergrenze" seien 25 Prozent.

Zu Plänen zur Verwendung des Emissionserlöses befragt, wollte Haselsteiner nicht ins Detail gehen, "aber wir haben in Mittel- und Osteuropa ein weites Feld vor uns". Als Expansionsgebiete nannte Haselsteiner unter anderem Russland und Rumänien. Als Zielvorstellung für die operative Marge "in nicht geschützten Märkten" gab er drei Prozent vom Umsatz an.

Eher kein Zweitlisting

Ein Zweitlisting in Warschau schließt man konzernintern wegen der relativ hohen Kosten eher aus. Dass das geplante Volumen ohne weiteres auch in Wien zu erlösen sei, hätten die erfolgreichen Börsegänge bzw. Aufstockungen von Banken wie Raiffeisen International (RI) und Erste Bank gezeigt, hieß es hinter den Kulissen.

Der Konzern, der sich in den vergangenen 20 Jahren aus der Ilbau, einem regionalen Kärntner Player, entwickelt hat, wird 2006 mit 45.000 Beschäftigten etwa 10,1 Mrd. Euro umsetzen.

Haselsteiner ließ bei seinem Presseauftritt in Budapest keinen Zweifel daran, dass die Strabag SE im Zusammenhang mit ihrem Börsegang kein Barangebot für die Aktionäre der Strabag AG Köln plant. "Warum sollten wir eine Barabfindung machen und Kapital zurückgeben und gleichzeitig eine Kapitalerhöhung durchführen?"

Es gebe drei Möglichkeiten, so Haselsteiner: Man belasse es auch längerfristig bei zwei Notierungen, "was von uns nicht gewünscht ist". Man biete, zweitens, den Aktionären der deutschen Strabag einen Tausch in neue Aktien der Strabag SE an. Oder es werde, drittens, nach dem europäischen Aktiengesetz zu einer Verschmelzung über die Grenze kommen (was ebenfalls auf einen Umtausch hinauslaufen würde). Eine Verschmelzung könnte aus rechtlichen Gründen aber kaum vor 2008 erfolgen.

Bei der in Frankfurt gehandelten Aktie der Strabag AG spiegeln sich offenbar dennoch Anlegerfantasien über ein Barangebot wider: Das Papier hat seit Ende Juni um etwa 50 Prozent von damals 80 auf derzeit rund 120 Euro zugelegt. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 119,50 Euro. (APA)

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